Johann Hinrich Wichern (1808-1881)

Johann Hinrich Wichern wurde am 21. April 1808 in Hamburg geboren und arbeitete dort nach dem Studium der Theologie in Göttingen und Berlin als Leiter einer Sonntagsschule. Dort unterrichtete er Kinder aus der sozialen Unterschicht im Lesen, Schreiben , Rechnen und christlicher Glaubenslehre.

1833 begann Wichern mit seiner Mutter und einer seiner Schwestern die Arbeit im Rauhen Haus in Horn bei Hamburg: eine kleine Einrichtung zur "Rettung" verwahrloster Kinder entstand. Das Rauhe Haus hatte großen Zulauf und es entwickelte sich, finanziell unterstützt durch einen Verein, eine christliche Siedlung nach dem Familienprinzip mit eigener Landwirtschaft und eigenen Handwerksbetrieben.

Ab 1844 wurden im "Brüderinstitut" des Rauhen Hauses junge Männer ausgebildet, um im Rauhen Haus mitzuarbeiten. Ihre Ausbildung umfaßte neben einem Handwerksberuf soziale, pädagogische und religiöse Kenntnisse. Damit entsteht der Beruf des Diakons. Für diese Diakonen Ausbildung warb Wichern ab 1843 im Hinblick auf sein Konzept der "Inneren Mission", nach dem sich die gesellschaftlichen Verhältnisse durch die Veränderung des Menschen aus dem christlichen Glauben heraus wandeln sollten.

1848 stellte Wichern sein Programm der Inneren Mission auf dem Wittenberger Kirchentag vor und charakterisierte es dabei in zweierlei Hinsicht: zum einen ging es um eine religiös verantwortete Hilfe für die Menschen, die von den Risiken der raschen Industrialisierung des ausgehenden 19. Jahrhunderts (Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität, Alter) besonders betroffen waren ,inspiriert von den Worten Jesu "was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan" (Mt. 25, 40)
Soziale Hilfe und christliche Verkündigung sollten dabei gleichberechtigt nebeneinander stehen: "Die Liebe gehört mir wie der Glaube." Das zweite Ziel von Wicherns Programm der Inneren Mission war die organisatorische Straffung aller bereits bestehenden protestantischen Hilfsorganisationen, um deren Arbeit effektiver werden zu lassen.

In Folge des Wittenberger Kirchentages, auf dem sich die Landeskirchen zu einem Kirchenbund zusammenschlossen und durch Wicherns Rede die Arbeit der inneren Mission zu einer ihrer zentralen Aufgaben erklärten, kam es am 8. und 9. Januar 1849 zur Gründung des "Central-Ausschusses für die Innere Mission der deutschen evangelischen Kirche".
Der Wittenberger Kirchentag gilt deshalb als die Geburtsstunde der organisierten Diakonie.

Im Auftrag des Central-Auschusses verfaßte Wichern die Denkschrift über "Die innere Mission der deutschen evangelischen Kirche", die auch heute noch als Grundlagenschrift der diakonischen Arbeit der evangelischen Kirche gilt.

Dem Wittenberger Kirchentag folgte eine umfassende Reise-und Vortragstätigkeit Wicherns und überall wurden Landes- und Provinzialverbände der Inneren Mission gegründet.
In Berlin wurde Wichern Oberkonsistorialrat des Evangelischen Oberkirchenrates und die Preußische Regierung machte ihn zum Kommissar des Innenministeriums mit dem Auftrag der Durchführung einer Gefängnisreform.

1871 kehrte Wichern von seinen Berliner Ämtern nach Hamburg zurück und übernahm dort erneut die Leitung des Rauhen Hauses. Nach mehreren Schlaganfällen starb er dort 1881.

Literatur:

Die Macht der Nächstenliebe.
Einhundertfünfzig Jahre Innere Mission und Diakonie 1848-1998.
Im Auftrag des deutschen Historischen Museums und des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland hrsg. von Ursula Röper und Carola Jüllig, Berlin 1998

Johann Hinrich Wichern,
Sämtliche Werke I-X,
hrsg. von Peter Meinhold und Günther Brakelmann,
Hamburg/Berlin/Hannover 1958-1988

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