Das Wichernkreuz, Symbol der Wicherngemeinde

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Braunschweiger Zeitung vom 29.10.2002

Sulzbacher Straße war ihr Revier

Kriegskinder aus Lehndorf-Siedlung trafen sich wieder

Von Karsten Mentasti

Solch ein Treffen gibt es nicht alle Tage: 40 Frauen und Männer sahen sich jetzt nach 50 Jahren in Braunschweig wieder, genauer in der Sulzbacher Straße in Lehndorf-Siedlung. Die Gemeinsamkeit aller Teilnehmer: Sie hatten während der Kriegs- und Nachkriegsjahre dort gelebt.

Viele dieser heute gestandenen Erwachsenen verbrachten damals als Kinder viel Zeit auf der Sulzbacher Straße. Rosemarie Fäth, geborene Süberkrüb, spricht von einer "intensiven" Zeit, denn "die damaligen Verhältnisse haben uns zusammengeschweißt". Sie bezeichnet sich und ihre alten Spielkameraden als "Straßenkinder".
Was freilich nicht in der üblichen Bedeutung gilt. Alle hatten in der Siedlung, die 1936 für junge Ingenieure der in Völkenrode beheimateten Luftfahr-Forschungsanstalt gebaut worden war, bei ihren Familien gewohnt. Doch beengte Wohnverhältnisse - etwa durch die Aufnahme von Flüchtlingsfamilien - führten dazu, dass sich die Kinder zum Spielen draußen trafen.
Die Sulzbacher Straße war ihr Revier. "Wenn mal ein Auto kam, war der Fahrer auf unser Wohlwollen angewiesen, ihn durchzulassen", lacht Rosemarie Fäth. Dann kommen Erinnerungen im Sekundentakt: "Die ganze Straße haben wir bemalt", sagt Ingrid Amos-Bock, nicht mit Schulkreide, sondern mit Steinen. "Täglich haben wir Huckekasten gespielt", ruft Gislind Rost, Mädchenname Havemann. "Und sogar Algebra-Aufgaben auf dem Straßenbelag gelöst", wirft eine dritte Frau ein, und die anderen nicken. Prellball und Verstecken standen ebenfalls hoch im Kurs.
Nur wenige, wie etwa Lotti Springer, Tochter des Inhabers eines ehemaligen Textiliengeschäfts am Saarplatz, wohnen heute noch in der Sulzbacher Straße. Zwei Drittel der Teilnehmer an dem Treffen leben nicht mehr in Braunschweig. Sogar aus Kanada reiste ein früherer Bewohner an. "Die meisten haben sich sofort wieder erkannt", hat Rosemarie Fäth beobachtet.
Ebenso kam ihnen die Saarstraße vertraut vor, "auch wenn sich viel verändert hat". Ihr früheres Zuhause direkt neben der Wichernkirche sei ihr "damals vorgekommen wie ein Palast, heute wie ein ganz einfaches Haus". Geschockt sind viele über die Gestaltung des Saarplatzes. "Der ist hässlich, es fehlen Blumen", ist die einhellige Meinung. Die Idee zu dem Treffen hatte Gertrud Teschner-Blenk, Tochter des damaligen Leiters der Luftfahrt-Forschungsanstalt, Hermann Blenk. "Bei meiner Goldenen Konfirmation 2001 habe ich viele Bekannte wieder gesehen". Plötzlich kam ihr in den Sinn, die Straßenkinder von damals ausfindig zu machen. "Das war gar nicht so schwer. Jeder Angesprochene kannte wieder einige andere und so weiter." Die Teilnehmer, die sich an der Wichernkirche trafen, dann im Waldhaus Ölper feierten und am Sonntag eine historische Stadtführung mitmachten, waren zwischen 56 und 75 Jahren alt.

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Stand:11.07.2010

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