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Wichern aktuell 4/2001

Verantwortung wahrnehmen 

für die 

Schöpfung

Nach der biblischen Schöpfungsüberlieferung hat der Mensch eine besondere Rolle: er ist Gottes Ebenbild (imago dei), hat die Aufgabe, über Erde und Tiere zu herrschen und die ihm anvertraute Schöpfung zu bebauen und zu bewahren. "Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht." (1. Mose 1, 27.28) "Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte." (1. Mose 2, 15)
Diese besondere Rolle des Menschen im Rahmen der Schöpfungsgemeinschaft gilt es in zweierlei Hinsicht besser zu verstehen: Wenn vom Menschen als Ebenbild Gottes die Rede ist, so ist damit gemeint, dass der Mensch ein Gegenüber Gottes ist, von Gott angeredet und angesprochen. Als ein solches Gegenüber ist der Mensch Gott verantwortlich - auch für die Schöpfung. Uns Menschen ist von Gott die Verantwortung für die Schöpfung aufgetragen. Denn "Herrschaft über die Mitgeschöpfe" ist nicht mit Freiheit als unbeschränkter Selbstverfügung gleichzusetzen, sondern vom christlichen Herrschaftsverständnis, wie Jesus es beschrieben hat, her zu gestalten: "Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein." (Markus 10, 43.44) Herrschaft über die Schöpfung meint also nicht selbstsüchtige Ausplünderung und Ausnützung der außermenschlichen Natur, sondern einen vor Gott verantworteten und bewahrenden Umgang mit ihr.
Es kommt deshalb, so hieß es 1985 in einer gemeinsamen Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz, "darauf an, die Natur so zu ‚regieren', dass sie nicht zerstört wird. Dafür müssen alte Fähigkeiten des schonenden Umgangs neu eingeübt werden." (Verantwortung wahrnehmen für die Schöpfung. Gemeinsame Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz, 1985, These 63) Für diesen schonenden Umgang mit der Natur hat sich in den darauf folgenden Jahren in der ökumenischen Diskussion der Leitbegriff "verantwortliche Haushalterschaft" herausgebildet. "Haushalterschaft, auf den griechischen Wortstamm (oikos) zurückgeführt, umfasst sowohl Ökonomie als auch Ökologie. Es gehört zu den dringlichen Aufgaben von Wissenschaft und Politik, Ökonomie und Ökologie wieder in einen Zusammenhang zu bringen. In dem Leitbild der ‚nachhaltig umweltgerechten Entwicklung' (international geläufig als sustainable development) ist hiermit die Richtung vorgegeben." (Gefährdetes Klima. Studie des Beirats des Beauftragten des Rates der EKD für Umweltfragen, EKD-Text 52, 1995, These 25).
Die Installation und Nutzung einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach unseres Gemeindehauses bzw. unserer Kirche sehen wir als eine Möglichkeit an, als Kirchengemeinde einen Beitrag zu einer solchen verantwortlichen Haushalterschaft zu leisten. und in Verantwortung für die Schöpfung Energie zu produzieren und zu nutzen. 

Kristina Kühnbaum-Schmidt

 
 
 
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