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Denkmalschutz ist Umweltschutz Stadtkirchenbaurat Koch, der
für den kirchlichen Bereich die 1. Instanz der Denkmalpflege
wahrnimmt, lehnt eine Fotovoltaikanlage auf dem Kirchendach
grundsätzlich ab. Damit gibt sich die Gruppe Sonnenstrom
nicht zufrieden.
Lesen Sie unsere Argumente:
Sehr geehrter
Herr Koch,
Sie haben aus denkmalpflegerischen Gründen eine
Fotovoltaikanlage auf unserem Kirchendach abgelehnt, weil
Sie keinen Präzedenzfall schaffen wollten. Als
Ausweichmöglichkeit sahen Sie eine Installation auf dem
Gemeindehausdach. Auf diesen Vorschlag gingen wir ein, um
unseren Antrag auf Bezuschussung bei der Deutschen
Bundesstiftung Umwelt überhaupt fristgerecht stellen zu
können. Unserer Ansicht nach gehört die Fotovoltaikanlage
aus technischen und öffentlichkeitswirksamen Gründen auf das
Dach der Kirche. Daher stellen wir den Antrag, die
Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Kirchendach
der Wicherngemeinde in Braunschweig zu genehmigen.
Begründen
wollen wir unseren Antrag durch Aspekte, die den
Denkmalschutz, den Umweltschutz und theologische
Überlegungen beinhalten.
Wir sind davon überzeugt, dass die
Fotovoltaikanlage auf dem Kirchendach das Erscheinungsbild
der Kirche nicht beeinträchtigt. Der jetzige geschlossene
Eindruck von Gemeindehaus, Kirche und Bürotrakt bleibt
unverändert erhalten. Die Südseite des Kirchendaches ist für
Passanten von der Marktseite (Wochenmarkt jeden Donnerstag)
und von der St.-Ingbert-Straße / Sulzbacher Straße kommend
gut sichtbar. Wenn wir mit der Fotovoltaikanlage eine klare
Aussage unserer Kirchengemeinde in Hinblick auf die
Bewahrung der Schöpfung und den Umweltschutz machen wollen,
ist dieses sichtbare Zeichen unbedingt notwendig.
Zudem
brächte die Installation auf dem Gemeindehaus technische
Probleme mit sich, weil ein großer Kirschbaum auf dem
Nachbargrundstück sehr früh am Nachmittag Teile der Anlage
verschattet. Das Kirchendach dagegen ist nicht von
Verschattungen betroffen.
Im übrigen wird an der Kirche
baulich nichts verändert, sie bekommt nur einen deutlich
sichtbaren Akzent, der als Pilotprojekt vor allem
Privathaushalten zeigen soll, dass mit dieser
umweltschonenden Technik das Leben auf dieser Erde geschont
und für zukünftige Generationen lebenswert erhalten wird.
Durch eine Fotovoltaikanlage betreiben wir aktiven
Denkmalschutz, denn hier wird Strom erzeugt, ohne dabei
Schadstoffe zu produzieren. Damit reduzieren wir die
Schadgase, die "maßgeblich zur Schädigung von Baudenkmälern
beitragen" (s. Zur Nutzung von Solarenergie in kirchlichen
Gebäuden - Handreichung der Ev.-luth. Landeskirche in
Braunschweig, Juni 2001, Seite 8). An dieser Stelle möchten
wir außerdem in Erinnerung bringen, dass die
Klimakonferenzen von Rio und Kyoto die Staaten verpflichtet
haben, immense Anstrengungen zum Klimaschutz zu unternehmen.
Nimmt man diese Verlautbarungen und die Stellungnahmen der
Bundesregierung, der EKD-Synode, unserer Landeskirche, der
Stadt Braunschweig (Klimaschutzbündnis) und die täglichen
Appelle ernst, so muss man unserer Ansicht nach den
Zusammenhang von Denkmalschutz und Umweltschutz als etwas
Zusammengehöriges heute neu sehen und beurteilen.
Wir wissen
uns mit Ihnen darin einig, dass eine Kirche nicht irgendein
Gebäude ist, sondern es steht auch für den Inhalt, in diesem
Fall für unseren Auftrag als Christen, die Schöpfung zu
bewahren. Kirche hat die Aufgabe, richtungsweisend zu sein,
sie muss zeigen, dass sie nicht nur predigt, sondern auch
handelt, dass sie nicht nur von anderen eine Änderung ihrer
Lebens- und Wirtschaftsweise fordert, sondern selbst
beispielhaft vorangeht.
Wir wissen und verstehen, dass
denkmalpflegerische Gesichtspunkte ihren Schwerpunkt vor
allem in der Erhaltung des Bestehenden haben, aber die
Kirche hat auch immer wieder neue Gedanken und Entwicklungen
ihrer Zeit in ihren Bauten aufgenommen. Die Kirche kann und
sollte auch sichtbare Impulse für Nachhaltigkeit und ein
zukunftsfähiges Wirtschaften geben.
Da die
Denkmalschutzbehörde bei Kulturdenkmalen, die dem
Gottesdienst dienen, gottesdienstliche Belange vorrangig
beachten soll, muss daran erinnert werden, dass das ganze
Leben der Gemeinde Zeugnis für Gottes Treue sein soll.
Kirchenbauten haben immer wichtige Glaubensaussagen bei der
Gestaltung verdeutlicht. Auch die Fotovoltaikanlage kann als
Schöpfungsfenster, als Fingerzeig auf die Kräfte der
Schöpfung (die Sonnenkraft) gedeutet werden, die wir nutzen
und umwandeln sollen in Kraft für den Alltag (Strom). Die
Anlage ist ein deutliches Symbol dafür, dass wir darauf
vertrauen, dass Gott seine Schöpfung nicht im Stich lässt,
sondern uns ermutigt, gemeinsam Schritte in eine neue
Zukunft zu gehen, umzukehren von verkehrten Wegen (auch in
der Energiepolitik) und verheißungsvollere Wege
einzuschlagen, so die EKD Stiftung zur Bewahrung kirchlicher
Baudenkmäler in Deutschland.
Mit freundlichen Grüßen
Detlef Quandt, Kirchenvorsteher,
Christiane Klages, Pfarrerin
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