Das Wichernkreuz, Symbol der Wicherngemeinde
Wichern aktuell 2/06 
Das Wichernkreuz, Symbol der Wicherngemeinde

Was ist mir die Kirche wert?

Passbild Güntzel Schmidt Liebe Leserin, lieber Leser!

"Alles wird teurer!" Dieser Seufzer ist wohl beinahe so alt wie die Menschheit und ist deshalb doch nicht unberechtigt: Das Geld wird knapper. Da überlegt man sich, was man noch bezahlen kann und was ein "Luxus" ist, auf den man womöglich wird verzichten müssen.

Zum Beispiel die Tageszeitung. Wie oft ärgert man sich über sie, schimpft über einen einseitigen oder schlecht geschriebenen Artikel und möchte das Abonnement am liebsten abbestellen. Am besten wäre es, sich nur noch hin und wieder - wenn es tatsächlich interessante Neuigkeiten gibt - eine Zeitung am Kiosk zu kaufen. Doch eine Tageszeitung kann vom Straßenverkauf allein nicht leben. Sie braucht Abonnenten, weil die Büros unterhalten, Redakteurinnen und Redakteure und schließlich auch die Druckmaschinen bezahlt werden müssen. Sie braucht Abonnenten, die ihrer Zeitung auch über Durststrecken die Treue halten. Die wohl einmal geharnischte Leserbriefe schreiben, aber nicht kündigen. Sicher, sich eine Zeitung zu halten, ist ein Luxus. Aber nur weil viele sich diesen Luxus leisten, gibt es die Tageszeitung auch am Kiosk zu kaufen - andernfalls gäbe es eben keine Zeitung. Auch nicht, wenn man mal Lust hätte, eine zu lesen.

Sie merken schon, worauf ich hinaus will.
Auch die Kirche ist, gewissermaßen, ein "Luxus". Manche fragen sich, ob sie sich diesen Luxus weiter leisten wollen, wo sie die Kirche doch kaum brauchen, nur ein paar mal im Leben: Zur Hochzeit, zur Taufe, zur Beerdigung, und vielleicht noch zu Weihnachten. Soll man dafür sein Leben lang Kirchensteuer bezahlen?

Mit der Kirche ist es wie mit der Zeitung. Ohne "Abonnenten" kann sie ihre Leistungen nicht kontinuierlich zur Verfügung stellen. Wenn man die Kirche gebrauchen will, muss man mit dafür Sorge tragen, dass sie da sein kann, wenn man sie braucht. Wenn ich heute und morgen nichts von meiner Gemeinde, von der Kirche wissen will, kann es sein, dass sie übermorgen, wenn ich sie brauche, nicht mehr da ist. Kirche kann man leider (nein, vielmehr: zum Glück) nicht einmachen oder trocknen, damit man sie auf Vorrat hat. Kirche lebt, und damit sie leben kann, braucht sie Menschen - nicht nur die vielen, die sich schon in unserer Gemeinde engagieren; nicht nur die, die überaus großzügig spenden. Auch und gerade die, die regelmäßig ihre Kirchensteuern zahlen.

Güntzel Schmidt


Matthias Rahm zurück zu WA 2/06 Stand: 13.04.2006 Impressum: Wichern aktuell Impressum