Liebe Leserin, lieber Leser!
"Alles wird teurer!" Dieser Seufzer ist wohl beinahe so alt
wie die Menschheit und ist deshalb doch nicht unberechtigt:
Das Geld wird knapper. Da überlegt man sich, was man noch
bezahlen kann und was ein "Luxus" ist, auf den man womöglich
wird verzichten müssen.
Zum Beispiel die Tageszeitung. Wie oft ärgert man sich über
sie, schimpft über einen einseitigen oder schlecht
geschriebenen Artikel und möchte das Abonnement am liebsten
abbestellen. Am besten wäre es, sich nur noch hin und wieder -
wenn es tatsächlich interessante Neuigkeiten gibt - eine
Zeitung am Kiosk zu kaufen. Doch eine Tageszeitung kann vom
Straßenverkauf allein nicht leben. Sie braucht Abonnenten,
weil die Büros unterhalten, Redakteurinnen und Redakteure
und schließlich auch die Druckmaschinen bezahlt werden
müssen. Sie braucht Abonnenten, die ihrer Zeitung auch über
Durststrecken die Treue halten. Die wohl einmal geharnischte
Leserbriefe schreiben, aber nicht kündigen. Sicher, sich
eine Zeitung zu halten, ist ein Luxus. Aber nur weil viele
sich diesen Luxus leisten, gibt es die Tageszeitung auch am
Kiosk zu kaufen - andernfalls gäbe es eben keine Zeitung.
Auch nicht, wenn man mal Lust hätte, eine zu lesen.
Sie merken schon, worauf ich hinaus will.
Auch die Kirche ist, gewissermaßen, ein "Luxus". Manche
fragen sich, ob sie sich diesen Luxus weiter leisten wollen,
wo sie die Kirche doch kaum brauchen, nur ein paar mal im
Leben: Zur Hochzeit, zur Taufe, zur Beerdigung, und
vielleicht noch zu Weihnachten. Soll man dafür sein Leben
lang Kirchensteuer bezahlen?
Mit der Kirche ist es wie mit
der Zeitung. Ohne "Abonnenten" kann sie ihre Leistungen
nicht kontinuierlich zur Verfügung stellen. Wenn man die
Kirche gebrauchen will, muss man mit dafür Sorge tragen,
dass sie da sein kann, wenn man sie braucht. Wenn ich heute
und morgen nichts von meiner Gemeinde, von der Kirche wissen
will, kann es sein, dass sie übermorgen, wenn ich sie
brauche, nicht mehr da ist. Kirche kann man leider (nein,
vielmehr: zum Glück) nicht einmachen oder trocknen, damit
man sie auf Vorrat hat. Kirche lebt, und damit sie leben
kann, braucht sie Menschen - nicht nur die vielen, die sich
schon in unserer Gemeinde engagieren; nicht nur die, die
überaus großzügig spenden. Auch und gerade die, die
regelmäßig ihre Kirchensteuern zahlen.
Güntzel Schmidt