Das Wichernkreuz, Symbol der Wicherngemeinde
Wichern aktuell 5/2005 
Das Wichernkreuz, Symbol der Wicherngemeinde

Was wird an Weihnachten geboren?

Liebe Leserin, lieber Leser! 

"Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge" 

- mit diesen altvertrauten Worten berichtet Lukas von der Geburt Jesu. Bald lassen wir uns wieder daran erinnern, stellen die Szene zuhause mit Krippenfiguren nach. Und am Heiligen Abend, wenn wir diese altvertrauten Worte wieder hören, entsteht vor unserem inneren Auge wieder das Bild der Heiligen Familie im Stall, kehren Weihnachtsstimmung und Weihnachtsfrieden wieder in unsere Herzen und Häuser ein. An Weihnachten kam Gottes Sohn leibhaftig zur Welt, als kleines Kind aus Fleisch und Blut.

Paulus, der vom Christfest noch nichts wissen konnte, spricht in seinen Briefen oft vom "Leib": Er spricht vom "Leib Christi". Damit meint er nicht das Kind in der Krippe. "Leib Christi" nennt er uns, die Gemeinde. Wir, die wir in Lehndorf und im Kanzlerfeld zusammenleben, die wir uns im Gottesdienst treffen oder beim Bäcker, im Kindergarten oder im Seniorenkreis - wir sind der Leib Christi, wir verkörpern Christus, machen ihn uns gegenseitig leibhaftig erfahrbar. 

Wie das geht? Christus kommt zur Welt als "Leib Christi" dort, wo Menschen eine Gemeinde sind. Wo Menschen sich füreinander und für das Ganze, die Gemeinde, interessieren und verantwortlich fühlen - und Verantwortung übernehmen. Indem einer nach dem anderen fragt, eine sich um die andere kümmert. Indem es uns berührt, dass neben uns jemand krank wird vor Einsamkeit; dass neben uns jemand nicht genug zum Leben hat; dass neben uns jemand Hilfe braucht - oder einfach nur ein freundliches Wort. Jemand neben uns: unsere Nachbarin, unser Nachbar.

An Weihnachten wird Jesus geboren. Und da wird der Leib Christi geboren, die Gemeinde. Wenn Sie am Heiligen Abend in die Kirche gehen, wenn Sie zur Waldweihnacht im (hoffentlich verschneiten) Von-Pawelschen-Holz viele andere treffen, dann versuchen Sie einmal, dieses Ganze zu sehen. Versuchen Sie, die Gemeinde zu sehen. Und behalten Sie dieses Bild in Erinnerung. So könnte, so sollte es sein, in Lehndorf und im Kanzlerfeld.

An Weihnachten wird der Leib Christi geboren, die große Familie Gottes, in der wir Schwestern und Brüder sind, uns mitfreuen am Glück der anderen und mitleiden mit dem Schmerz der anderen. Und so einer den anderen tragen, wie Gott uns alle trägt durch die stillen Tage des Advent, die frohen Festtage und durch das kommende Jahr. 

Güntzel Schmidt


Matthias Rahm zurück zu WA 5/05 Stand: 05.12.2005 Impressum: Wichern aktuell Impressum