Das Wichernkreuz, Symbol der Wicherngemeinde

Wichern aktuell 5/2003

Das Wichernkreuz, Symbol der Wicherngemeinde

Wichern aktuell
Wichern aktuell 5/2003
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Spruch

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht."

Wochenspruch zum 2. Advent, Lukas 21, 28.

Liebe Leserin, 
Lieber Leser!

Früher wurde ich vor Weihnachten regelmäßig von Freunden eingeladen; ich fuhr in den Tagen vor Heilig Abend zu ihnen und spielte mit den Kindern, trank einen Tee mit der Mutter, wenn sie während der Vorbereitungen aufs Fest mal eine Pause einlegte. Spät abends, wenn der Vater von der Arbeit zurückkam, hörte ich ihm zu; ich war so etwas wie ein Blitzableiter der Hoch-Spannung vor dem Fest.

Wenn die Feiertage vorüber sind, sind wir erlöst - vom Stress der Vorbereitungen. Vom Warten auf das Fest. Von der Sorge, ein Geschenk zu finden, das den Beschenkten freut. Von der Weihnachtswerbung in Fernsehen und Fußgängerzone. Von Spekulatius und Lebkuchen.

Was aber ist mit der wirklichen Erlösung? 
Wann kommt die Erlösung von Krankheit, Unfrieden und Leid? 

So viele Jahrhunderte schon warten die Menschen - und haben das Warten aufgegeben, weil sie ja doch nicht kommt, die Erlösung. Für manche Menschen im zurückliegenden Jahr war der Tod eine Erlösung; aber eine wirkliche Erlösung ist er nicht, sondern nur das kleinere von zwei unerträglichen Übeln. Gewünscht haben sie sich etwas anderes: Leben, keine Schmerzen mehr aushalten müssen, nicht mehr einsam sein.

Wenn wir das Warten auf Erlösung aufgeben, begrüßen wir den Tod als Erlöser. Manche können einfach nicht mehr - und haben niemanden, der für sie wartet und die Hoffnung nicht aufgibt. Aber wir anderen - solange wir auf die Erlösung warten, solange wir die Hoffnung auf Veränderung, auf ein Ende des Streites, der Einsamkeit, auf ein Ende von Krieg und Leid nicht aufgeben, behauptet sich das Leben gegen den Tod.

Weihnachten feiern wir dieses Wunder, dass in der tiefsten Dunkelheit Licht aufbricht, dass der tot geglaubte Stumpf ein Röslein treibt, mitten im kalten Winter. Wir warten und geben nicht auf - und werden so auch zu einem Licht, zu einem Erlöser für einen Freund, für eine Nachbarin, die das Warten aufgeben will. 

Ich wünsche Ihnen und mir zu Weihnachten nicht die Erfüllung aller Wünsche, ich wünsche uns, dass wir zu warten lernen und die Erfahrung machen dürfen, dass es nicht vergeblich ist.

Güntzel Schmidt

 
 
 
Matthias Rahm Stand: 14.12.2003 Impressum: Wichern aktuell Impressum