Das Wichernkreuz, Symbol der Wicherngemeinde
Wichern aktuell 5/2002
Home Termine Wichern aktuell Gebäude Kinder Jugendliche Gemeinde Service
Wichern aktuell
Wichern aktuell 5/2002
Leitartikel
Neues vom KV
LÖW
LÖW-Team
Weltkirchenrat
Entwicklungshilfe
Diakonie
Kinderbibeltag

Warum Weihnachten feiern?

Eine dumme Frage!? 
Was würden Sie darauf antworten? 
"Weil Jesus geboren wird; wir feiern seinen Geburtstag" wäre eine mögliche, eine "korrekte" Antwort - aber was bedeutet sie? 

Betrachten wir das, was unser Weihnachten ausmacht, von außen, so erinnern die vielen Geschenke und die Mühe, die man sich macht, sie auszusuchen, durchaus an einen Geburtstag, auch der Weihnachtsschmuck und die gespannte Atmosphäre. Doch alles geschieht wie unter einem Zwang, dem Zwang, möglichst originelle und passende Geschenke zu finden, wenigstens für die Festtage Harmonie in der Familie herzustellen, sich etwas ganz Besonderes für das Fest auszudenken. Und dabei gerät aus dem Blick, was an Weihnachten eigentlich geschieht und gefeiert wird, nämlich: dass Gott Mensch geworden ist. 

Warum wird Gott Mensch? 
Diese Frage hat sich im Mittelalter schon Anselm von Canterbury gestellt und geantwortet: Um am Kreuz für unsere Sünden zu sterben und Gott dadurch zu versöhnen. Im Weihnachtslied "O du fröhliche" kommt dieser Gedanke wieder vor: "Christ ist erschienen, uns zu versühnen". 

Schuld und Sühne, das Kreuz - passt das zu Weihnachten? 
Wer möchte an diesem Fest der Freude und der Geschenke darüber nachdenken? Wer möchte Gefahr laufen, den (oft mühsam hergestellten) Weihnachtsfrieden dadurch zu gefährden, dass Schuld ausgesprochen wird, Verletzungen und Enttäuschungen? 
Es kann nicht darum gehen, Streit und Konflikte, die mitunter schon jahrelang schwelen, ausgerechnet an Weihnachten zu lösen - damit würde man sich und das Fest noch mehr strapazieren, als das schon jetzt der Fall ist. Aber der Friede der Weihnacht, der Friede in der Familie kann auch nicht durch Verschweigen und Überspielen erkauft werden. 

"Christ ist erschienen uns zu versühnen" 
- vielleicht lasse ich das zunächst einmal für mich gelten: Gott wird Mensch, um uns mit uns selbst zu versöhnen. Das Neugeborene in der Krippe will unsere Herzen anrühren, uns wachsweich machen, damit wir die harten Bandagen lösen, die wir uns selbst angelegt haben: Den Druck, alles möglichst schön, möglichst perfekt, es allen recht zu machen. Die Erwartung, dass alle sich in unsere Vorbereitungen fügen, auch ihr Bestes geben für das Fest. Den Widerwillen gegen uns selbst, weil wir unserem Ideal nicht entsprechen - weder mit unserer Figur noch mit unserem Wesen -, weil wir Fehler machen. 

Gott wird Mensch, damit wir - Mensch bleiben können.
W
ir sind nicht perfekt, wir haben und machen Fehler, und das "dürfen" wir auch sein und tun. Das kleine Kind in der Krippe sieht uns an, wie ein Kleinkind seine Eltern ansieht: Mit unendlicher Liebe, ohne zu fragen, wer sie sind oder was sie können, und mit der Gewissheit, dass diese Augen, diese Hände nur Gutes meinen und tun können. Sind wir so angesehen von Gott, dann können wir vielleicht wagen, uns zu sehen, wie wir tatsächlich sind. Aufhören, uns zu kritisieren, uns einzuengen mit Ansprüchen an uns selbst. Und auch aufhören, uns selbst etwas vorzumachen. Eben: Frieden zu schließen, uns zu versöhnen mit uns selbst. 

Dazu ist Zeit. Jetzt. 
Die Adventszeit ist die Zeit, sich auf Weihnachten vorzubereiten, nicht nur Geschenke einzukaufen, sondern sich selbst zu beschenken. Indem ich versuche, mir zu vergeben, dass ich nicht so bin, wie ich dachte oder wie andere mich haben wollten. Aber das Kind in der Krippe sieht mich unendlich liebevoll an und schenkt mir den Frieden der Weihnacht. Diesen Frieden wünsche ich Ihnen und Ihren Familien, und in diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine besinnliche Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest, Ihr

Güntzel Schmidt.

 
 
 
 Matthias Rahm  Stand: 02.12.2002