Eine dumme Frage!?
Was würden Sie darauf antworten?
"Weil
Jesus geboren wird; wir feiern seinen Geburtstag" wäre eine
mögliche, eine "korrekte" Antwort - aber was bedeutet sie?
Betrachten wir das, was unser Weihnachten ausmacht, von
außen, so erinnern die vielen Geschenke und die Mühe, die
man sich macht, sie auszusuchen, durchaus an einen
Geburtstag, auch der Weihnachtsschmuck und die gespannte
Atmosphäre. Doch alles geschieht wie unter einem Zwang, dem
Zwang, möglichst originelle und passende Geschenke zu
finden, wenigstens für die Festtage Harmonie in der Familie
herzustellen, sich etwas ganz Besonderes für das Fest
auszudenken. Und dabei gerät aus dem Blick, was an
Weihnachten eigentlich geschieht und gefeiert wird, nämlich:
dass Gott Mensch geworden ist.
Warum wird Gott Mensch?
Diese
Frage hat sich im Mittelalter schon Anselm von Canterbury
gestellt und geantwortet: Um am Kreuz für unsere Sünden zu
sterben und Gott dadurch zu versöhnen. Im Weihnachtslied "O
du fröhliche" kommt dieser Gedanke wieder vor: "Christ ist
erschienen, uns zu versühnen".
Schuld und Sühne, das Kreuz -
passt das zu Weihnachten?
Wer möchte an diesem Fest der
Freude und der Geschenke darüber nachdenken? Wer möchte
Gefahr laufen, den (oft mühsam hergestellten)
Weihnachtsfrieden dadurch zu gefährden, dass Schuld
ausgesprochen wird, Verletzungen und Enttäuschungen?
Es kann
nicht darum gehen, Streit und Konflikte, die mitunter schon
jahrelang schwelen, ausgerechnet an Weihnachten zu lösen -
damit würde man sich und das Fest noch mehr strapazieren,
als das schon jetzt der Fall ist. Aber der Friede der
Weihnacht, der Friede in der Familie kann auch nicht durch
Verschweigen und Überspielen erkauft werden.
"Christ ist
erschienen uns zu versühnen"
- vielleicht lasse ich das
zunächst einmal für mich gelten: Gott wird Mensch, um uns
mit uns selbst zu versöhnen. Das Neugeborene in der Krippe
will unsere Herzen anrühren, uns wachsweich machen, damit
wir die harten Bandagen lösen, die wir uns selbst angelegt
haben: Den Druck, alles möglichst schön, möglichst perfekt,
es allen recht zu machen. Die Erwartung, dass alle sich in
unsere Vorbereitungen fügen, auch ihr Bestes geben für das
Fest. Den Widerwillen gegen uns selbst, weil wir unserem
Ideal nicht entsprechen - weder mit unserer Figur noch mit
unserem Wesen -, weil wir Fehler machen.
Gott wird Mensch,
damit wir - Mensch bleiben können.
Wir sind nicht perfekt,
wir haben und machen Fehler, und das "dürfen" wir auch sein
und tun. Das kleine Kind in der Krippe sieht uns an, wie ein
Kleinkind seine Eltern ansieht: Mit unendlicher Liebe, ohne
zu fragen, wer sie sind oder was sie können, und mit der
Gewissheit, dass diese Augen, diese Hände nur Gutes meinen
und tun können. Sind wir so angesehen von Gott, dann können
wir vielleicht wagen, uns zu sehen, wie wir tatsächlich
sind. Aufhören, uns zu kritisieren, uns einzuengen mit
Ansprüchen an uns selbst. Und auch aufhören, uns selbst
etwas vorzumachen. Eben: Frieden zu schließen, uns zu
versöhnen mit uns selbst.
Dazu ist Zeit. Jetzt.
Die
Adventszeit ist die Zeit, sich auf Weihnachten
vorzubereiten, nicht nur Geschenke einzukaufen, sondern sich
selbst zu beschenken. Indem ich versuche, mir zu vergeben,
dass ich nicht so bin, wie ich dachte oder wie andere mich
haben wollten. Aber das Kind in der Krippe sieht mich
unendlich liebevoll an und schenkt mir den Frieden der
Weihnacht. Diesen Frieden wünsche ich Ihnen und Ihren
Familien, und in diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine
besinnliche Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest, Ihr
Güntzel Schmidt.
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