Ich finde in einer Endzeitverzweiflung,
die wie gebannt
auf die Katastrophe starrt,
ohne den Kampf
und die Auseinandersetzung
noch wahrzunehmen,
ein Stück Zerstörtheit,
Zynismus und Menschenverachtung.
Um kämpfen zu können,
braucht man eine Hoffnung.
Die Hoffnung,
dass die Blinden sehend
und die Tauben hörend werden,
nennt man
in der Sprache der Religion
Glauben.
Glauben
an die Veränderbarkeit von Menschen
durch erfahrene Liebe und Gerechtigkeit,
die Hoffnung darauf,
dass der Todes- und Mordwunsch
nicht das Letzte ist,
das die Menschen beseelt.
Die Gewissheit einer Lebenskraft,
die auch im Anderen,
in meinem politischen Gegner ist
und die nicht aufgebraucht ist,
wenn ich aufgebraucht bin,
das ist Gott.
Dorothee Sölle