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Hochwasser in Dresden
Bericht aus unserer Partnergemeinde

Das Hochwasser ist in Dresden und Umgebung abgeflossen, geblieben sind schwer getroffene Menschen, verwüstete Landstriche, kaputte Häuser, Straßen, Brücken und Bahnlinien. 

Viele ältere Menschen standen Ängste aus, die sie zuletzt im Krieg verspürten. Junge Familien haben nur ihr Leben retten können, alles Hab und Gut ist verloren. Im Wohnbereich unserer Kirchgemeinde sind wir von den ganz schlimmen Folgen weitgehend verschont geblieben. Zu beklagen sind überflutete Keller, Gärten und Straßen. Manche hat es jedoch auch dabei sehr hart getroffen, sind doch nicht nur materielle Werte, sondern oft auch die Arbeit und Mühe vieler Jahre mit einem mal hin. 

In den Stadtteilen Laubegast, Kleinzschachwitz, Gohlis, Hosterwitz, Friedrichstadt und Mickten ist die Lage deutlich schlimmer, was erst recht für alle Orte im oberen Elbtal (Elbsandsteingebirge) sowie an den Flussläufen aus dem Osterzgebirge Richtung Elbe gilt. 

Vor unserem Gemeindehaus stand am 17. August ein großer See, der auch den alten Dorfkern bedrohte. Die Elbe war bis auf 10 Minuten Gehweg heran gekommen und drückte auf das Abwassersystem. Sonst laufen wir von hier ca. 40 Minuten zur Elbe. Bei aller Not und allen Verlusten war es ermutigend zu erleben, wie groß die Hilfsbereitschaft untereinander war und wie viel Hilfe auch von außerhalb kam. Beeindruckt sind wir von dem Einsatz der Jugendlichen, die oft bis zur Erschöpfung an vielen Orten geholfen haben. 

Ich möchte mich an dieser Stelle auch für alle Zeichen der Verbundenheit, besorgte Anrufe sowie Spenden aus Ihrer Gemeinde bedanken. (Zwei Kollekten und Einzelspenden erbrachten bisher 1200 Euro. Zusätzlich kam eine Spende anlässlich einer Beerdigung von 2000 Euro. Die Redaktion) Am 17. August hatten wir unser diesjähriges Gemeindefest geplant. Pfarrer Schmidt wollte kommen, bis wir das Fest absagen mussten. 

Etwas merkwürdig mag es anmuten, dass am 16. August abends in unserem alten Dorfkern spontan so etwas wie ein Dorffest entstand. Die Menschen hielt es nicht in ihren Häusern. Alle beobachteten den Elbepegel, hatten Pumpen in den Kellern laufen und mussten bereits Sandsäcke verbauen. Dabei suchten sie Gemeinschaft. Menschen aus besonders betroffenen Stadtteilen berichteten, wie sich Nachbarn gegenseitig unterstützten, die vorher sehr distanziert von einander lebten. 

In unseren Gottesdiensten haben wir Ruhe für unsere "aufgescheuchten" Seelen gesucht und vor allem Fragen gestellt, denn vorschnelle Antworten sind schwer möglich. Wir wissen, dass dieses Ereignis uns noch lange beschäftigen wird, auch wenn viele Stadtteile nicht betroffen waren und an vielen Stellen äußerlich nur noch wenig zu sehen ist. Es ist meine Hoffnung, dass unser Glaube und unsere Gemeinschaft uns bei der Bewältigung der Folgen helfen werden. 

Es grüßt Sie in Verbundenheit Ihr 

Frank del Chin 
(Pfarrer der Nazarethgemeinde)

 
 
 
 Matthias Rahm  Stand: 27.09.2002