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Die Mehrheit unserer Gemeindemitglieder gehört zur Mittelklasse. Die meisten von
uns leben in einem ziemlich gesicherten Wohlstand und nehmen die zunehmenden
Beeinträchtigungen unserer Lebensqualität kaum als existentielle Bedrohung wahr.
Die auf uns zukommenden Probleme spüren wir jedoch schon. Sie lassen sich
stichwortartig so benennen:
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Einschnitte bei den sozialen Sicherungssystemen (Kürzungen und generelle
Unsicherheit bei der Altersversorgung, Ausdünnung der gesetzlichen
Gesundheitsversorgung),
- Verschlechterung bei öffentlichen Dienstleistungen z.B. im Bereich von Bildung
und Verkehr,
- zunehmende Zerstörung der Schöpfung.
All diese Problembereiche haben etwas mit unserer Art des Wirtschaftens zu tun.
Die Erwerbslosen, die Sozialhilfeempfänger, Obdachlosen und Armen bei uns
bekommen die Schattenseiten und negativen Folgen unseres Wirtschaftens sehr
deutlich zu spüren. Auch in unserem Stadtteil gibt es z.B. zunehmend mehr
Menschen, die um eine warme Mahlzeit bitten oder im Müll nach Essen suchen.
Dramatisch ist die wachsende Verelendung jedoch vor allem für die Menschen in
der Dritten Welt.
Als entscheidender Motor für diese Entwicklung gilt die
neoliberale Globalisierung. Dieser Wirtschaftsform liegt die Überzeugung
zugrunde, dass ein von politischen Eingriffen weitgehend verschontes Schalten
und Walten der Marktmechanismen in globalem Maßstab wirtschaftliches Wachstum
und mehr Wohlstand für alle Länder und deren Menschen hervorbringt. Aus diesem
Grund werden Maßnahmen ergriffen, die durch Deregulierung, Liberalisierung und
Privatisierung eine beträchtliche Schwächung der Rolle der einzelnen Staaten bei
der Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft bewirken. Das Leben wird immer
mehr von privaten finanziellen Geschäftsinteressen beherrscht. Kapital wird
angehäuft, und es gilt, im uneingeschränkten Wettbewerb möglichst hohen Gewinn
zu erzielen.
Der erwirtschaftete Wohlstand verteilt sich dadurch in höchstem
Maße ungleichmäßig. Der Markt begünstigt vor allem die, die viel besitzen und
Geldvermögen haben, sie können sich auf den internationalen Märkten durchsetzen
und das Marktgeschehen bestimmen. Politische und militärische Macht werden
außerdem als Instrumente benutzt, um einen ungefährdeten Zugang zu Ressourcen zu
garantieren und den Schutz von Investitionen und Handel sicherzustellen. Dabei
werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer.
Was können wir als
Einzelne tun, wenn diese Skizzierung zutrifft und wir täglich hören, es gäbe
keine Alternativen.
Aus unserem Glauben als Christen heraus sollten wir aber die
wachsende Ungerechtigkeit und Verarmung nicht nur beklagen, sondern uns
aufgerufen fühlen, nach Alternativen des globalen Wirtschaftens zu suchen, die
allen Menschen ein Auskommen und Überleben garantieren und Gerechtigkeit
widerfahren lassen. Das Evangelium verspricht Leben in Fülle für alle Menschen
und die ganze Schöpfung. Von dieser Vision her sollten wir Christen uns leiten
lassen und eine Wirtschaft im Dienst des Lebens anstreben. Märkte und Geld
sollten den Austausch von Gütern ermöglichen, um menschliche Bedürfnisse zu
befriedigen und zum Aufbau der menschlichen Gemeinschaft beizutragen. Doch
welche Schritte können wir in diese Richtung machen? Der Ökumenische Rat der
Kirchen, der Lutherische Weltbund und der Reformierte Weltbund, also Christen
aus allen Ländern der Welt, fordern uns auf, uns diesen Problemen zu stellen.
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