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Ein Jahr im Kirchenvorstand - Anspruch und Wirklichkeit

Erfahrungsberichte von zwei "Neuen"

Gebeten um diesen Artikel war ich ganz überrascht, "was, ein Jahr ist schon um?" Zu Beginn galt es, sich für bestimmte Ausschüsse zu melden. Dadurch bestand die Möglichkeit, Arbeitsschwerpunkte festzulegen. Ich habe mir die Mitarbeit im Finanzausschuss, dem kreativ-geistlichen Ausschuss und im Ausschuss für den Kindergarten I ausgesucht. 

Außer zu den monatlichen Sitzungen haben wir uns an zwei Samstagen ganztägig zu Kirchenvorstehertagen getroffen, einerseits, um uns besser kennen zu lernen, zum anderen, um zu überlegen, wohin das "Wichernschiff" zukünftig steuern soll. Diese Tage haben sich ganz besonders positiv auf das Zusammenwachsen des neu gewählten Gremiums ausgewirkt. Dort konnten ohne Zeitdruck einige Themen ausführlich besprochen werden. 

Natürlich war auch bei Gottesdiensten und einigen "Großereignissen" die Mitarbeit der Kirchenvorsteher gefragt. 

Viele Themen, die der Kirchenvorstand zu behandeln hat, erinnern an das Management einer Firma, insbesondere was die Finanz- und Personalfragen angeht. Gerade in diesen Bereichen sind die Interessen der Wicherngemeinde gegenüber der Kirchenregierung zu wahren, die sparen will und muss. Andererseits ist lebendige und gute Gemeindearbeit wie in Wichern ohne engagierte Mitarbeiter und eine gewisse Menge Geld nicht möglich. 

Aber auch weniger schwerwiegende Fragen müssen diskutiert und entschieden werden, z.B. ob sich die Gemeinde am Volksfestumzug beteiligt oder ob der Quilt in der Kirche aufgehängt werden soll. 

Interessant ist es allemal, an den Problemen und Entscheidungsprozessen beteiligt zu sein, die vielfältiger sind, als man gemeinhin denkt, wie ich im vergangenen Jahr gelernt habe. 

Ein Ausgleich zur "Verwaltungsarbeit" ist das Sammeln und Erörtern neuer und eventuell unkonventioneller Ideen für Gottesdienst und Gemeindearbeit im kreativ-geistlichen Ausschuss. Hier geht es nicht darum, sofort etwas zu Wege zu bringen, sondern ohne zwingenden Handlungsbedarf kreativ darüber nachzudenken, was das Gemeindeleben bereichern könnte. Vielleicht wird es noch eine Weile dauern, aber irgendwann wird man die Ergebnisse sehen und erleben. 

Für mich persönlich ist auch wichtig, dass meine Mitarbeit im Kinderbereich (Kindergottesdienst, Krippenspiel, Musical) durch die zusätzlichen Termine im Kirchenvorstand nicht zu kurz kommt. Auch aufgrund der Unterstützung durch meine Familie ist es mir, denke ich, gelungen, alles unter einen Hut zu bekommen. Gerade an den Sitzungsabenden muss zu Hause immer alles ruckzuck gehen, damit ich pünktlich um halb acht im Gemeinde- oder Wichernhaus sein kann. 

Wichtig für eine produktive Arbeit im Kirchenvorstand ist natürlich das Verhältnis der Mitglieder zueinander. Sehr erfreulich ist, dass in diesem Kreis eine offene und tolerante Atmosphäre herrscht, was nicht bedeutet, dass immer alle einer Meinung sind, aber was eine gute Zusammenarbeit und Kompromissbereitschaft garantiert. 

Die Bilanz meines ersten Jahres im Kirchenvorstand ist also durchaus positiv, und ich sehe den zukünftigen Aufgaben gespannt entgegen. 

Elge Rahm

 

In der Darstellung als Kandidat zum KV hatte ich mich etwa so geäußert: Ich möchte den Pastorinnen und Pastoren bei ihrer schwierigen Arbeit helfen und soweit wie möglich auch meine Berufserfahrung als Bauingenieur einbringen. 

Ich bin nun in den KV gewählt worden und bin dort Vorsitzender des Diakonieausschusses, Mitglied im Bauausschuss und im Wichernhausausschuss, dazu noch Mitglied der Propsteisynode und dort im gerade konstituierten Bauausschuss. 

Neben den monatlichen Sitzungen des KV habe ich etwa an der Hälfte der ebenfalls monatlichen freiwilligen Sitzungen zur Vorbereitung der KV-Sitzungen teilgenommen. Die Ausschüsse haben sich konstituiert und getagt. Geldausgaben wurden geplant und dem KV vorgeschlagen. Eine Liste von Bauwünschen für 2001 wurde erstellt und an das Stadtkirchenbauamt gemeldet. Für einen Teil des Wichernhauses habe ich Ikea-Energiesparlampen besorgt. 

Die Lautsprecher unserer Orgel wurden zusammen mit Frau Quandt so gestellt und mit Decken "behandelt", dass man die "Orgelei" von der Lautstärke her wieder aushalten kann. 

Für den Dachreiter unserer Kirche entwarf ich eine von Beginn an fehlende Verbretterung, damit man beim Glockengeläut ohne Gehörschaden auf den Kirchplatz und in die Kirche gelangen kann. Wegen des Denkmalschutzes schlossen sich Diskussionen mit der Ortsheimatpflegerin, Frau Dipl.-Ing. Ruben, und einem pensionierten Dr. Ing., Akustiker aus der PTB, an. Das Stadtkirchenamt sagte zögernd zu der Verbretterung "Ja - aber Geld haben wir keins, das muss von euch kommen (8.000 DM)." 

Die angemeldeten 28 Baumaßnahmen für 2001 dürften etwa 170 000 DM kosten, zugewiesen sind 11 400 DM. Bauausschuss, nun mach mal! Fazit, so wie beim Bauen hängt es öfter, vieles muss mühsam erkundet, überlegt und abgestimmt werden. Ich habe inzwischen drei Leitzordner und fünf Schnellhefter für Papiere aus meiner Tätigkeit als Kirchenverordneter angelegt. Ein Trost, sie sind noch nicht voll! 

Hilft man nun den Pastoren bei ihrer Arbeit in und für die Gemeinde? Ich meine Ja. Aber es geht langsam, mitunter mühsam und mit viel mehr Zeitaufwand als erwartet. Doch das Verhältnis zu den Pastoren ist gut, freundlich und unbefangen; der KV verträgt sich - das ist ein erfreuliches Zeichen. - Also: Weitermachen!  

Gunther Döhl