|
Ostern steht vor der Tür, und damit nähern wir uns dem größten kirchlichen Fest
des Jahres. Ostern, das ist der Kernpunkt, der Ursprung des christlichen
Glaubens.
Christus ist auferstanden!
So lautet die Botschaft des Ostersonntages.
Der Tod hat seine Macht als Endpunkt allen Lebens verloren. Er ist nur noch ein
Übergang zu dem, was jenseits des Todes liegt. Jesus von Nazareth, der aus der
Liebe Gottes heraus lebte und handelte, der uns zeigte, wie das neue menschliche
Miteinander sein könnte, ist von den Toten auferstanden.
Alle menschliche Macht,
Angst und Brutalität, die ihn am Kreuz sterben ließ, war nicht stark genug, um
ihn auszulöschen, denn Gottes Wille, uns durch diesen Jesus von Nazareth in
Liebe entgegenzukommen, war größer.
Christus ist auferstanden!
Er war tot und
ist wieder lebendig. Ein Wunder - Gott hat die Macht des Todes zum Zeichen der
Hoffnung für uns zerbrochen.
Christus ist auferstanden!
Diese Botschaft bildet
das Zentrum des christlichen Glaubens.
Sie würde allerdings missverstanden, wenn
man in ihr nichts weiter sehen würde als eine Vertröstung der Menschen auf das
Jenseits. Sicher gehört die christliche Hoffnung, dass der Tod nicht das letzte
Wort behält, zu unserem Glauben an den auferstandenen Christus. Aber genauso
gehört zu ihm das Vertrauen, dass wir mit Gottes Beistand auch im Leben neu
anfangen können, dass es auch Auferstehungen mitten im Leben gibt.
So wie bei
dem blinden Bartimäus, der wie immer an der Mauer der Ausfallstraße von Jericho
saß. Der einzige Platz, den ihm die Mitbewohner des Ortes zubilligten. Dort
konnte er von den Wanderern meistens ein paar Groschen erbetteln, so gab es
wenigstens eine Mahlzeit am Tag. Bartimäus erwartete von seinem Leben nichts
mehr, er war gefangen im Selbstmitleid und saß Tag für Tag still an seinem
Platz. Die Bewohner bemerkten ihn kaum noch.
Bis zu dem Tag, als Bartimäus
hörte, dass Jesus im Ort war und an seiner Straße vorbeikommen würde. Da erwuchs
plötzlich Hoffnung in ihm. Hoffnung auf ein anderes Leben. Er, der innerlich
schon gestorben war, erwachte wieder zum Leben, und sofort begann er zu rufen:
"Jesus, du Sohn Davids, erbarm dich meiner."
Die Menschen um ihn herum bedrohten
ihn, er solle still sein, doch diesmal ließ sich Bartimäus nicht an den Rand
drängen. Stattdessen rief er noch lauter: "Sohn Davids, erbarm dich meiner."
Jesus blieb stehen und ließ ihn zu sich rufen und fragte: "Was willst du, dass
ich dir tue?" Der Blinde sprach zu ihm: "Rabbi, lass mich wieder sehend werden."
Da sprach Jesus zu ihm: "So sei es, dein Glaube hat dir geholfen." Bartimäus war
innerlich abgestorben und ist zurückgekehrt ins Leben. Eine Auferstehung mitten
im Leben.
Getragen von der Kraft der Hoffnung und des Vertrauens hat er seine
Lethargie überwunden, fand er Heilung von seiner Krankheit, und vor ihm lag ein
neues Leben. Die Blindheit des Bartimäus steht stellvertretend für unsere
Blindheit, wenn wir in unserem Leben in eine Sackgasse geraten sind. Wenn zum
Beispiel die Beziehung zu unserem Ehepartner zu zerbrechen droht, wir aber
scheinbar blind sind für die Möglichkeiten, neu aufeinander zuzugehen?
Wenn wir
uns an Lebenssituationen gewöhnen, die uns seelisch und körperlich kaputt
machen, und wir nicht mehr dagegen aufbegehren, sondern die Augen schließen und
sie erleiden Tag für Tag? In solchen Situationen mögen wir an Jesus und
Bartimäus denken. Auferstehung, Heilung, Neuanfang ist möglich, auch für uns.
Die scheinbaren Sackgassen des Lebens sind nicht Endstationen, sondern Übergänge
zu etwas Neuem.
Christus ist auferstanden!
Die Osterbotschaft, sie ist weit mehr
als eine Vertröstung auf das Jenseits, denn Gott will, dass wir aus der Kraft
der Hoffnung, aus dem Vertrauen auf seinen Beistand heraus leben - wirklich
leben hier auf Erden. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine Osterzeit voller
Lebensfreude und den Mut, Neuanfänge zu wagen.
Ihr Markus Fay-Fürst
|