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Wichern aktuell 2/2003

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Ich wünsche mir von der Gemeinde:
Lebhaftigkeit, eigene Gedanken 
und die Lust an neuen Wegen

 Interview mit Herrn Markus Fay-Fürst

Herr Fay-Fürst, Mitte Februar habe ich einen Familiengottesdienst hier in Ihrer "MIT UNS GEMEINDE" in der Weststadt miterlebt und war beeindruckt. Warum wollen Sie hier weg?

Ich gehe auch mit einem weinenden Auge. Es ist eine Arbeit, die ich mir sehr bewusst ausgesucht habe. Sechs Jahre bin ich dabei und nach zehn Jahren muss man eine Sonderpfarrstelle verlassen. Ich hätte mir auch gut vorstellen können, das noch zwei oder drei Jahre hier zu machen. Aber für meine Familie ist es Zeit, ein neues Zuhause zu finden, wo wir länger bleiben können und wollen. Unsere Kinder sind jetzt ein und drei Jahre alt. Es war klar, dass wir uns in nächster Zeit verändern müssen.

Die Arbeit mit geistig Behinderten ist ja ein besonderer Schwerpunkt. Hat das einen bestimmten Hintergrund? 

Das ist schwer zu sagen. Ich habe als Jugendlicher in einer Begegnungsstätte gearbeitet. Habe immer wieder Kontaktpunkte gehabt, nicht bewusst gewählt. Sie haben sich so ergeben. Für mich ist immer wichtig: Ist diese kirchliche Arbeit das, was Kirche ausmacht? Was ist ihr besonderer Auftrag? In sechs Jahren Arbeit mit Behinderten kam diese Frage nicht vor. Ich hatte immer das Gefühl, hier sind wir gefragt. Hier muss gerade auch Kirche für ihr Menschenbild gerade stehen. Es ist eine Arbeit, die ich besonders gerne gemacht habe. 

Sie haben Theologie studiert. Was hat sie an diesem Studium gereizt? 

Ich glaube, ich bin den Weg gegangen, den die meisten, die Theologie studieren, gehen. Ich habe in Watenbüttel und in Vechelde Jugendarbeit mitgemacht. Das war eine prägende Zeit für mich. Ich habe das Studium angefangen ohne ein klares Berufsbild zu haben. Mich hat sehr interessiert, was glauben Menschen? Wo bekommen sie ihre Kraft zum Leben her? Und wie sind Philosophie und Theologie miteinander verbunden? Diese Fragen haben mich sehr bewegt. 

Wo haben Sie studiert? 

Die meiste Zeit in Berlin und drei Semester in Tübingen. 

Und was hat Sie an Braunschweig gereizt? 

Das ist ja ganz komisch. Man gehört zu der Landeskirche, in der man sein Abitur gemacht hat. Und das war eben Braunschweig. Hier kann man gut leben. Auch in unserer Landeskirche. 

Was bedeutet Ihnen der Glaube an Gott und seinen Sohn Jesus Christus? 

Ich glaube, dass er eine unsagbar tiefe Quelle für Lebenskraft und Lebensmut ist. Für mich ist Glaube wichtig. Und die Frage, wo trifft uns dieser Glaube mitten im Leben? Wo finden wir Antworten, die uns neue Wege eröffnen? Mein tiefer Glaube ist, dass mich Gott auf meinem Lebensweg begleitet. Er gibt uns allen immer wieder Möglichkeiten, aus Sackgassen herauszukommen. Neue Wege zu finden. 

Sind Sie - im biblischen Verständnis - ein bekehrter Mann? 

Ich kann das vielleicht so sagen: Wenn mich jemand zum Glauben gebracht hat, dann ist das meine Oma gewesen. Sie war eine Frau, die im ganz kindlichen Glauben lebte. Der Herrgott, so sagte sie immer, ist für mich da, egal, was auch passiert. 

Immer die Omas. 

Ja. Vielleicht sind es ja sie, die sich trauen, über ihren Glauben zu reden. Sie stand ganz fest darin. Unabhängig, was ihre Umwelt davon hielt. Das hat mich als Kind stark beeindruckt. Von ihr habe ich die Grundlage. Mein tiefer Glaube ist in der Kindheit geboren, eben durch Personen. 

Wir haben bis jetzt ein wenig die Vergangenheit betrachtet. Im April werden Sie zu uns nach Wichern wechseln. Was reizt Sie an dieser Gemeinde? 

Erst mal reizt mich alles, denn es ist für mich ein wirklich tiefer Einschnitt. Ich habe z.B. lange Zeit kaum noch Amtshandlungen gemacht. Darauf freue ich mich. Dann gibt es noch zwei Punkte, die mich aus der Entfernung gesehen reizen. Da ist einmal das Neubaugebiet Lammer Busch. Wie schafft man es, dass Menschen, die zuziehen, sich aufgenommen und eingebunden fühlen. Hier müsste Kirche Kontakt- und Knotenpunkt für die örtliche Gemeinde sein. 

Wenn Sie an die örtliche Gemeinde in Wichern denken, haben Sie persönliche Schwerpunkte geplant? 

Ich habe in meinem bisherigen Leben viele unterschiedliche Arbeitsschwerpunkte gehabt, z. B. Jugendarbeit. Ich will also erst einmal sehen, was liegt eigentlich an. Das zweite, was mich reizt, ist die Zusammenarbeit mit Pfarrer Güntzel Schmidt und mit den Gemeinden Lamme und Ölper. Das LÖW Konzept finde ich toll. Wenn in diesem Verbund gearbeitet wird, müsste auch alles Wichtige angeboten werden. Ich bin da ganz offen. Bin auch interessiert, etwas Neues zu machen. Etwas, was noch fehlt, was gefragt ist. 

Am Schluss dieses kurzen Interviews stelle ich Ihnen vier Fragen und bitte Sie um kurze Ergänzungen.
Wenn ich so könnte, wie ich wollte, ...

... würde ich viel mehr probieren. 

Ein Pfarrer ist für mich ... 

...ein Ansprechpartner, einer, der auf die Dimensionen des Glaubens im Leben hinweist. 

Ich wünsche mir von der Gemeinde ... 

...Lebhaftigkeit, eigene Gedanken, Lust an neuen Wegen. 

Meine Familie ist für mich ... 

...eine Grundlage, ein Schwerpunkt meines Lebens. Ich bin mit Haut und Haaren Vater und Ehemann und schöpfe aus meiner Familie ganz viel Kraft. 

Herr Fay-Fürst, willkommen in Wichern! 

Das Interview mit Pfarrer Markus Fay-Fürst führte Reinhard Schalla

 
 
 
Matthias Rahm Stand: 01.04.2003 Impressum: Wichern aktuell Impressum