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Herr Fay-Fürst, Mitte Februar habe ich einen Familiengottesdienst
hier in
Ihrer "MIT UNS GEMEINDE" in der Weststadt miterlebt und war beeindruckt. Warum
wollen Sie hier weg?

Ich gehe auch mit einem weinenden Auge. Es ist eine Arbeit,
die ich mir sehr bewusst ausgesucht habe. Sechs Jahre bin ich dabei und nach
zehn Jahren muss man eine Sonderpfarrstelle verlassen. Ich hätte mir auch gut
vorstellen können, das noch zwei oder drei Jahre hier zu machen. Aber für meine
Familie ist es Zeit, ein neues Zuhause zu finden, wo wir länger bleiben können
und wollen. Unsere Kinder sind jetzt ein und drei Jahre alt. Es war klar, dass
wir uns in nächster Zeit verändern müssen.
Die Arbeit mit geistig Behinderten
ist ja ein besonderer Schwerpunkt. Hat das einen bestimmten Hintergrund?
Das ist
schwer zu sagen. Ich habe als Jugendlicher in einer Begegnungsstätte gearbeitet.
Habe immer wieder Kontaktpunkte gehabt, nicht bewusst gewählt. Sie haben sich so
ergeben. Für mich ist immer wichtig: Ist diese kirchliche Arbeit das, was Kirche
ausmacht? Was ist ihr besonderer Auftrag? In sechs Jahren Arbeit mit Behinderten
kam diese Frage nicht vor. Ich hatte immer das Gefühl, hier sind wir gefragt.
Hier muss gerade auch Kirche für ihr Menschenbild gerade stehen. Es ist eine
Arbeit, die ich besonders gerne gemacht habe.
Sie haben Theologie studiert. Was
hat sie an diesem Studium gereizt?
Ich glaube, ich bin den Weg gegangen, den die
meisten, die Theologie studieren, gehen. Ich habe in Watenbüttel und in Vechelde
Jugendarbeit mitgemacht. Das war eine prägende Zeit für mich. Ich habe das
Studium angefangen ohne ein klares Berufsbild zu haben. Mich hat sehr
interessiert, was glauben Menschen? Wo bekommen sie ihre Kraft zum Leben her?
Und wie sind Philosophie und Theologie miteinander verbunden? Diese Fragen haben
mich sehr bewegt.
Wo haben Sie studiert?
Die meiste Zeit in Berlin und drei Semester in Tübingen.
Und was hat Sie an
Braunschweig gereizt?
Das ist ja ganz komisch. Man gehört zu der Landeskirche, in der man sein Abitur
gemacht hat. Und das war eben Braunschweig. Hier kann man gut leben. Auch in
unserer Landeskirche.
Was bedeutet Ihnen der Glaube an Gott und seinen Sohn
Jesus Christus?
Ich glaube, dass er eine unsagbar tiefe Quelle für Lebenskraft
und Lebensmut ist. Für mich ist Glaube wichtig. Und die Frage, wo trifft uns
dieser Glaube mitten im Leben? Wo finden wir Antworten, die uns neue Wege
eröffnen? Mein tiefer Glaube ist, dass mich Gott auf meinem Lebensweg begleitet.
Er gibt uns allen immer wieder Möglichkeiten, aus Sackgassen herauszukommen.
Neue Wege zu finden.
Sind Sie - im biblischen Verständnis - ein bekehrter Mann?
Ich kann das vielleicht so sagen: Wenn mich jemand zum Glauben gebracht hat,
dann ist das meine Oma gewesen. Sie war eine Frau, die im ganz kindlichen
Glauben lebte. Der Herrgott, so sagte sie immer, ist für mich da, egal, was auch
passiert.
Immer die Omas.
Ja. Vielleicht sind es ja sie, die sich trauen, über ihren Glauben zu reden. Sie
stand ganz fest darin. Unabhängig, was ihre Umwelt davon hielt. Das hat mich als
Kind stark beeindruckt. Von ihr habe ich die Grundlage. Mein tiefer Glaube ist
in der Kindheit geboren, eben durch Personen.
Wir haben bis jetzt ein wenig die
Vergangenheit betrachtet. Im April werden Sie zu uns nach Wichern wechseln. Was
reizt Sie an dieser Gemeinde?
Erst mal reizt mich alles, denn es ist für mich ein
wirklich tiefer Einschnitt. Ich habe z.B. lange Zeit kaum noch Amtshandlungen
gemacht. Darauf freue ich mich. Dann gibt es noch zwei Punkte, die mich aus der
Entfernung gesehen reizen. Da ist einmal das Neubaugebiet Lammer Busch. Wie
schafft man es, dass Menschen, die zuziehen, sich aufgenommen und eingebunden
fühlen. Hier müsste Kirche Kontakt- und Knotenpunkt für die örtliche Gemeinde
sein.
Wenn Sie an die örtliche Gemeinde in Wichern denken, haben Sie persönliche
Schwerpunkte geplant?
Ich habe in meinem bisherigen Leben viele unterschiedliche
Arbeitsschwerpunkte gehabt, z. B. Jugendarbeit. Ich will also erst einmal sehen,
was liegt eigentlich an. Das zweite, was mich reizt, ist die Zusammenarbeit mit
Pfarrer Güntzel Schmidt und mit den Gemeinden Lamme und Ölper. Das LÖW Konzept
finde ich toll. Wenn in diesem Verbund gearbeitet wird, müsste auch alles
Wichtige angeboten werden. Ich bin da ganz offen. Bin auch interessiert, etwas
Neues zu machen. Etwas, was noch fehlt, was gefragt ist.
Am Schluss dieses
kurzen Interviews stelle ich Ihnen vier Fragen und bitte Sie um kurze
Ergänzungen.
Wenn ich so könnte, wie ich wollte,
...
... würde ich viel mehr probieren.
Ein Pfarrer ist für mich
...
...ein Ansprechpartner, einer, der auf die Dimensionen des Glaubens im Leben hinweist.
Ich wünsche mir von der Gemeinde
...
...Lebhaftigkeit, eigene Gedanken, Lust an neuen Wegen.
Meine Familie ist für mich
...
...eine Grundlage, ein Schwerpunkt meines Lebens.
Ich bin mit Haut und Haaren Vater und Ehemann und schöpfe aus meiner Familie
ganz viel Kraft.
Herr Fay-Fürst, willkommen in Wichern!
Das Interview mit Pfarrer Markus Fay-Fürst führte
Reinhard Schalla
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