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Die Arbeit mit Gefangenen bzw. der Besuchsdienst in der Justizvollzugsanstalt
hat in der Wicherngemeinde eine 30-jährige Tradition. An der Wichtigkeit hat
sich bis heute nichts geändert. Mitarbeitende fehlten damals und fehlen heute
( Wichernprojekt ).
Lesen Sie Ausschnitte aus einem Artikel im Gemeindebrief KONTAKTE
aus dem Jahr 1973:
Nun auch noch Strafgefangene!
Einige Mitglieder des Kirchenvorstands der Wicherngemeinde und einige weitere
Interessierte haben einen AUFFANGKREIS gegründet. Die Anregung dazu ging von
Herrn Prof. Dr. Dross aus, der seit Jahren mit Strafgefangenen in der
Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel Gruppenarbeit betreibt. Als sichtbares
Ergebnis dieser Arbeit kann die Gefangenenzeitschrift KASCHOTT angesehen
werden. Der Auffangkreis hat sich zur Aufgabe gemacht, mit Strafgefangenen
Kontakt aufzunehmen und sie nach ihrer Entlassung zu betreuen. Er schließt damit
an die Arbeit an, die die Studentengruppen in der Anstalt vollbringen und kann
so von diesen eine Fülle notwendiger Informationen bekommen.
Da geht es nicht
allein um Arbeitsplatz und Wohnung. Die Entlassenen brauchen Rat und Hilfe in
jeder Weise, wenn sie nicht erneut scheitern sollen. Nach den Vorstellungen des
Auffangkreises muss die Betreuung bereits lange vor dem Entlassungstermin
einsetzen. (...)
Die Mitglieder des Auffangkreises fahren darüber hinaus, wenn
es ihre Zeit erlaubt, mit den Studentengruppen in den "Knast", um die
Atmosphäre des Strafvollzugs wenigstens teilweise selbst kennen zu lernen. Sie
sind sich der Schwierigkeit ihrer Aufgabe bewusst und haben klar erkannt, dass
der Kreis der Betreuer möglichst groß sein muss. Denn als Grundsatz muss gelten:
Jeder Betreuer darf sich jeweils nur um einen dieser hilfsbedürftigen Menschen
kümmern.
Für den Auffangkreis ergibt sich bereits heute eine bedrückende
Situation: Von vielen Seiten werden wir mit dringenden Hilferufen eingedeckt.
Dabei haben wir schon jetzt zu wenig Mitarbeiter. Vor allem fehlt es an Leuten,
die einen festen Platz in der Gesellschaft haben. (...)
Nur sie können nämlich
das bieten, was der Entlassene braucht: Beständigen Rückhalt. Erfreulich ist die
Zahl der jungen Menschen, die sich dem Auffangkreis bereits angeschlossen haben.
Günter Wagner, Klaus-Dieter Herzog, Uwe Wille
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