Ein Gespräch mit Gertrud Drieschner über 10 Jahre
Strohsterne in Wichern
Die Idee kam spontan. Eine Idee mit
Folgen.
Im Haus von Freunden der Schwester in Ostfriesland
hat Gertrud Drieschner die Sterne zum ersten Mal gesehen und
bewundert. Das war 1990. Bei der Vielfalt und Schönheit
dieser Strohsterne war ihr klar: solche Sterne würden auch
bei uns in der Gemeinde Aufmerksamkeit und Bewunderung
finden. Kann man die Technik erlernen? Ja, man konnte.
Gertrud Drieschner hat sich nach Machart und nötigen
Hilfsmitteln erkundigt, sich die Sache zeigen lassen und
ihre Freundin Mechthild Tracums zum Mitmachen angeregt. Sie
bastelten los und beratschlagten dabei, wie man die Sterne
unter die Menschen bringen und damit - wen wundert's ? -
gleich noch Geld für einen guten Zweck zusammenbekommen
könnte. Da lag es nah, an Verkauf in der Vorweihnachtszeit
zu denken. Und - auch das schien für die Adventszeit
geeignet - ein Projekt zu suchen, mit dem Kinder
unterstützt werden. Bei Brot für die Welt fanden sie das
Material über das Straßenkinderprojekt in Recife/Brasilien.
Nun ist es nach 10 Jahren an der Zeit, die bescheidenen
Frauen, die in der Anfangszeit nicht einmal namentlich
genannt werden wollten - nach Zahlen zu fragen. Meine
erste Frage nach laufenden Metern Stroh oder Strohballen,
die verarbeitet wurden, war nicht zu beantworten. Eher schon
Fragen nach Anzahl von Sternen und nach Geldbeträgen. Und da
erfährt man Überwältigendes: im ersten Jahr gebastelte und
verkaufte Sterne: 300. Im Jahr 2002: 435 gebastelt, etwa 355
verkauft, erzielter Erlös 2002: 816 €. Es gab auch schon
mal ein Jahr mit 2905 DM Erlös. In den 10 Jahren
Gesamterlös: 9717 € (oder, geben wir es zu, es klingt
einfach noch besser: fast zwanzigtausend DM).
In der Kirche
werden die Sterne gegen eine Spende abgegeben. Auf dem Markt
und im Dritte-Welt-Laden sind die Preise festgelegt. Es gibt
auch mal Leute, die spenden nur, ohne Sterne zu nehmen, weil
sie den eigenen Baum schon voll und auch alle Freunde schon
beschenkt haben. Es soll weitergehen. Auch 2003 werden
wieder Sterne verkauft. Und im Januar wird natürlich mit der
Produktion angefangen! Im Schnitt jeden Tag 1 Stern!.
Mitmacher und Mitmacherinnen sind willkommen, da Mechthild
Tracums nur noch eine begrenzte Menge herstellt, die sie
dann außerhalb der Wicherngemeinde verkauft (aber auch für
das Straßenkinderprojekt). Gertrud Drieschner zeigt gern,
wie's geht und würde für Interessierte auch Termine im
Herbst für gemeinsames Basteln anbieten. Auch eine schöne
Idee für die, die noch nicht im Januar anfangen wollen.
Kontakt: G. Drieschner, Tel. 511772.
Zum Schluss können wir
noch ein kleines Dankeschön vom Redaktionsteam für das
Interview überreichen: aus aktuellem Anlass einen
Türschlossenteiser für den Dritte-Welt-Laden.
Das Gespräch führte unser Redaktionsmitglied Heidi Quandt
|