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Es ist Dienstagabend. Ich bin mit dem Posaunenchor im
Wichernhaus verabredet. Im Eingangsbereich wartet Ilona
Bohmeier auf ihren Sohn Seraphin. "Er hat mich zu früh
bestellt", sagt sie. Und so kommen wir kurz ins Gespräch. Er
übt drei Mal die Woche auf seiner Trompete. Und wie geht das
Üben zu Hause? "Na ja, so einfach ist das nicht. Und eine
neue Mietwohnung zu finden mit einem Trompetenspieler in der
Familie ist komplizierter als ich dachte", meint sie. Aber
da kommt der Sohnemann, und ich kann dem Ende der Chorprobe
lauschen.
"Nochmal die Kids", höre ich von Kathrin Hustedt,
der Chorleiterin, gerade sagen. "Wir intonieren ab... Du
bist A und O, und dann bitte leise spielen". Der Choral
klingt gut: Nun singet und seid froh ... Einige Füße der
Spieler wippen im Takt. Elf Erwachsene und sechs Kinder bzw.
Jugendliche proben das letzte Mal in diesem Jahr. So wie
jeden Dienstag in der Woche. Zuerst von 18.30 bis 19.30 die
Anfänger, dann zwei Stunden lang die Fortgeschrittenen. Das
sind drei Stunden konzentriertes Üben mit dem Chor für
Kathrin Hustedt. (In der Mitte mit Horn.)
Heute erhalten alle als Hausaufgabe das
Üben des Weihnachtsliedes Kommet ihr Hirten, ihr Männer und Fraun.
Warum das so schwer ist, weiß ich auch nicht, sagt
jemand vom Tenor.
"Warum spielen Sie hier im Posaunenchor
von Wichern", frage ich die Runde. Und dann sprudelt es
förmlich von allen Seiten: Es ist Spaß an der Musik, ein
religiöses Geschehen in den Gottesdiensten, wir spielen auch
Fetziges, miteinander spielen und üben macht einfach Freude,
es ist und bleibt die Lust an der Musik.
Seit 23 Jahren gibt
es diesen Posaunenchor bei uns in Wichern. Gegründet von
Pfarrer Hartmut Padel. Hin und wieder spielt er auch heute
noch mit. Darüber freut sich der Chor immer ganz besonders.
Die Bläser Otto-Ernst Mey und Wolfgang Steinmuß sind noch
aus der ersten Stunde dabei. Alle anderen kamen dazu,
entweder als Jungbläserinnen/Jungbläser oder schon als
"Könner". Vieles gehört einfach seit 15 Jahren zum festen
Programm. Wie zum Beispiel Blasen auf dem Weihnachtsmarkt im
Gut Steinhof oder die Obdachlosenweihnachtsfeier in der
Jakobskapelle hier in Braunschweig.
"Seit 1978 besteht eine
lebendige Partnerschaft mit dem Posaunenchor der
Partnergemeinde Nazareth in Dresden-Seidnitz", erzählt die
Chorleiterin. "Zum 50-jährigen Gemeindejubiläum im letzten
Jahr waren wir selbstverständlich dabei." "Hat der Chor
Wünsche?". "Ja, wir wünschen uns, dass der Saal im
Wichernhaus jeweils Dienstagabend für keine anderen
Veranstaltungen belegt wird. Und außerdem möchten wir nicht
so gerne mit den Trompeten von Jericho verglichen werden".
Muss ja wohl mal passiert sein. "Gibt es eigentlich eine
Instrumentenversicherung für uns?" Ich weiß es nicht.
Kathrin Hustedt - sie ist Softwareentwicklerin einer großen
Firma in Braunschweig - verteilt zum Schluss den Terminplan
für das Jahr 2002. Immerhin 20 Dienste sind geplant vom
Epiphanias-Gottesdienst über die Verabschiedung der
Konfirmandinnen/Konfirmanden, ein Ferienseminar auf dem
Hauptbahnhof, Laternenumzug bis hin zur Waldweihnacht. Und
das heißt schon jetzt: üben, üben, üben.
Sechs
Fortbildungslehrgänge an Wochenenden werden vom Posaunenwerk
im Haus Hessenkopf in Goslar angeboten. Als Höhepunkt im
Jahr 2002 gilt der Landesposaunentag in Neuerkerode. Dort
treffen sich 67 (!) Posaunenchöre der Braunschweigischen
Landeskirche zu einem Fest mit viel Musik.
Die Chorprobe ist
zu Ende. Weil bald Weihnachten ist, sind einige Tische
zusammengerückt. Trinkbecher für alkoholfreien Punsch stehen
darauf mit der Aufschrift Mein Hobby: Posaunenchor. Mehr
als ein Hobby. Es wird ein gemütlicher Jahresausklang.
"Vergessen Sie nicht, Reklame für die Übungsabende zu
machen", wird mir beim Rausgehen noch zugerufen. Also: Jeden
Dienstag von 18.30 bis 19.30 (Jungbläser) und von 19.30 bis
21.30 Uhr die, die schon etwas mehr können. Alle Anfragen
nimmt Kathrin Hustedt gerne entgegen.
Reinhard Schalla

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