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Wichern aktuell 1/2002
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Wichern aktuell 1/2002
Leitartikel
Kristina Kühnbaum-Schmidt
Hans Römer
Posaunenchor
Sonnenstrom
Spender
Terror

"Mein Hobby: Posaunenchor. Mehr als ein Hobby"

Es ist Dienstagabend. Ich bin mit dem Posaunenchor im Wichernhaus verabredet. Im Eingangsbereich wartet Ilona Bohmeier auf ihren Sohn Seraphin. "Er hat mich zu früh bestellt", sagt sie. Und so kommen wir kurz ins Gespräch. Er übt drei Mal die Woche auf seiner Trompete. Und wie geht das Üben zu Hause? "Na ja, so einfach ist das nicht. Und eine neue Mietwohnung zu finden mit einem Trompetenspieler in der Familie ist komplizierter als ich dachte", meint sie. Aber da kommt der Sohnemann, und ich kann dem Ende der Chorprobe lauschen. 

"Nochmal die Kids", höre ich von Kathrin Hustedt, der Chorleiterin, gerade sagen. "Wir intonieren ab... Du bist A und O, und dann bitte leise spielen". Der Choral klingt gut: Nun singet und seid froh ... Einige Füße der Spieler wippen im Takt. Elf Erwachsene und sechs Kinder bzw. Jugendliche proben das letzte Mal in diesem Jahr. So wie jeden Dienstag in der Woche. Zuerst von 18.30 bis 19.30 die Anfänger, dann zwei Stunden lang die Fortgeschrittenen. Das sind drei Stunden konzentriertes Üben mit dem Chor für Kathrin Hustedt. (In der Mitte mit Horn.)

Heute erhalten alle als Hausaufgabe das Üben des Weihnachtsliedes Kommet ihr Hirten, ihr Männer und Fraun. Warum das so schwer ist, weiß ich auch nicht, sagt jemand vom Tenor. 

"Warum spielen Sie hier im Posaunenchor von Wichern", frage ich die Runde. Und dann sprudelt es förmlich von allen Seiten: Es ist Spaß an der Musik, ein religiöses Geschehen in den Gottesdiensten, wir spielen auch Fetziges, miteinander spielen und üben macht einfach Freude, es ist und bleibt die Lust an der Musik.

Seit 23 Jahren gibt es diesen Posaunenchor bei uns in Wichern. Gegründet von Pfarrer Hartmut Padel. Hin und wieder spielt er auch heute noch mit. Darüber freut sich der Chor immer ganz besonders. Die Bläser Otto-Ernst Mey und Wolfgang Steinmuß sind noch aus der ersten Stunde dabei. Alle anderen kamen dazu, entweder als Jungbläserinnen/Jungbläser oder schon als "Könner". Vieles gehört einfach seit 15 Jahren zum festen Programm. Wie zum Beispiel Blasen auf dem Weihnachtsmarkt im Gut Steinhof oder die Obdachlosenweihnachtsfeier in der Jakobskapelle hier in Braunschweig. 

"Seit 1978 besteht eine lebendige Partnerschaft mit dem Posaunenchor der Partnergemeinde Nazareth in Dresden-Seidnitz", erzählt die Chorleiterin. "Zum 50-jährigen Gemeindejubiläum im letzten Jahr waren wir selbstverständlich dabei." "Hat der Chor Wünsche?". "Ja, wir wünschen uns, dass der Saal im Wichernhaus jeweils Dienstagabend für keine anderen Veranstaltungen belegt wird. Und außerdem möchten wir nicht so gerne mit den Trompeten von Jericho verglichen werden". Muss ja wohl mal passiert sein. "Gibt es eigentlich eine Instrumentenversicherung für uns?" Ich weiß es nicht. 

Kathrin Hustedt - sie ist Softwareentwicklerin einer großen Firma in Braunschweig - verteilt zum Schluss den Terminplan für das Jahr 2002. Immerhin 20 Dienste sind geplant vom Epiphanias-Gottesdienst über die Verabschiedung der Konfirmandinnen/Konfirmanden, ein Ferienseminar auf dem Hauptbahnhof, Laternenumzug bis hin zur Waldweihnacht. Und das heißt schon jetzt: üben, üben, üben. 

Sechs Fortbildungslehrgänge an Wochenenden werden vom Posaunenwerk im Haus Hessenkopf in Goslar angeboten. Als Höhepunkt im Jahr 2002 gilt der Landesposaunentag in Neuerkerode. Dort treffen sich 67 (!) Posaunenchöre der Braunschweigischen Landeskirche zu einem Fest mit viel Musik.

Die Chorprobe ist zu Ende. Weil bald Weihnachten ist, sind einige Tische zusammengerückt. Trinkbecher für alkoholfreien Punsch stehen darauf mit der Aufschrift Mein Hobby: Posaunenchor. Mehr als ein Hobby. Es wird ein gemütlicher Jahresausklang. 

"Vergessen Sie nicht, Reklame für die Übungsabende zu machen", wird mir beim Rausgehen noch zugerufen. Also: Jeden Dienstag von 18.30 bis 19.30 (Jungbläser) und von 19.30 bis 21.30 Uhr die, die schon etwas mehr können. Alle Anfragen nimmt Kathrin Hustedt gerne entgegen. 

Reinhard Schalla

Posaunenchor
 
 
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