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Wichern aktuell 1/2002
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Wichern aktuell 1/2002
Leitartikel
Kristina Kühnbaum-Schmidt
Hans Römer
Posaunenchor
Sonnenstrom
Spender
Terror

Hans Römer, 

ein treuer Diener 

seines und unsres Herrn

Am 5. Dezember 2001 starb, fast 90-jährig, Hans Römer, von 1961 bis 1975 Pfarrer unserer Gemeinde.
In Magdeburg geboren, wuchs er als Kriegshalbwaise in Helmstedt in knappen finanziellen Verhältnissen auf. Damit, dass er das Theologiestudium ergriff, entsprach er dem Wunsch seiner Mutter. Er studierte hauptsächlich in Tübingen, wo ihn Karl Heim stark prägte, der eine betont biblische Haltung mit Aufgeschlossenheit für Naturwissenschaften und Philosophie verband, und wo er seine spätere Frau fand. Nach Lehrvikariat an St. Petri in Braunschweig und Ordination hatte er ein Jahr lang Vertretungen in Stadtgemeinden wahrzunehmen. 

Am zweiten Weltkrieg nahm er als Soldat bei dreimaliger Verwundung von Anfang bis Ende teil. "Frieden schaffen ohne Waffen" war seitdem seine Devise. 1942 hat er geheiratet. 

1946 erhielt Römer die Pfarrstelle Lelm/Räbke am Elm. In den mit Heimatvertriebenen übervölkerten Dörfern baute er in den schwierigen Nachkriegsjahren ein lebendiges Gemeindeleben auf. Öffentliches Auftreten lag ihm nicht. "Ich habe lieber in der Stille und ohne Aufhebens gearbeitet." 1961 bewarb er sich, dazu aufgefordert, um die Pfarrstelle der Wicherngemeinde und wurde aus mehreren Bewerbern gewählt. 

Hier fand er einen theologisch anspruchsvollen "Gesprächskreis über Glaubensfragen" vor, in dem er mit Freude mitarbeitete und aus dem er auch Anregungen für seine Predigten mitnahm. Ihm kam zustatten, dass er auch in Lelm theologisch "am Ball" geblieben war. Dabei war er immer mehr weg von einer dogmatisch eng festgelegten zu einer offenen Theologie gekommen. In seinen durchweg schriftlich voll ausgearbeiteten Predigten führte er seine Hörer sorgsam vom verständlich gemachten Predigttext zu zeitnahen Konsequenzen. Dabei lagen ihm beispielsweise auch "Brot für die Welt" und "Bewahrung der Schöpfung" am Herzen. Die Überflussgesellschaft war ihm zuwider. Besuche bei Gemeindegliedern waren ihm sehr wichtig. 1970 begann er, in der Telefonseelsorge mitzuarbeiten. In der Gemeinde geschah in Römers Amtszeit viel. Er selbst hat es in der Kirchenjubiläumsschrift von 1990 dargestellt, die noch kostenlos erhältlich ist. 

Der 1970 auf die neugeschaffene zweite Pfarrstelle aufgezogene 33 Jahre alte Pfarrer Dr. Dockhorn brachte viele neue Impulse. Nicht selten schoss er über das Ziel hinaus. Dass es zwischen ihm und Römer nicht zu Auseinandersetzungen kam, war allein Römers Weitherzigkeit zu verdanken. Aus der Konfirmandenarbeit zog er sich zurück. 1975 trat Römer aus gesundheitlichen Gründen knapp 64-jährig in den Ruhestand. 

Römers zogen in eine ruhige Etagenwohnung am Petritor, wo sie sich bald erholten. Er übernahm noch manche Aufgabe, auch Predigten. Familiär hatten sie manchen Kummer. Die letzten drei Jahre, in denen er von verschiedenen Gebrechen geplagt war, verbrachte das Ehepaar im Wohnstift Augustinum. Er predigte dort noch manchmal in Hausandachten bis zu seiner Abschiedsandacht im September 1999. In ihr sprach er aus eigener Erfahrung von Glaubensanfechtungen: "Mit dem fragenden Suchen fängt der reife Glaube an, Glaube, der einen auch in schweren Tagen tragen kann ... So spricht der Herr: Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, will ich mich von euch finden lassen." 

Dies sehe ich als sein Vermächtnis an.           Rudolf Thaer

 
 
 
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