Am 5. Dezember 2001 starb, fast 90-jährig, Hans Römer, von
1961 bis 1975 Pfarrer unserer Gemeinde.
In Magdeburg
geboren, wuchs er als Kriegshalbwaise in Helmstedt in
knappen finanziellen Verhältnissen auf. Damit, dass er das
Theologiestudium ergriff, entsprach er dem Wunsch seiner
Mutter. Er studierte hauptsächlich in Tübingen, wo ihn Karl
Heim stark prägte, der eine betont biblische Haltung mit
Aufgeschlossenheit für Naturwissenschaften und Philosophie
verband, und wo er seine spätere Frau fand. Nach
Lehrvikariat an St. Petri in Braunschweig und Ordination
hatte er ein Jahr lang Vertretungen in Stadtgemeinden
wahrzunehmen.
Am zweiten Weltkrieg nahm er als Soldat bei
dreimaliger Verwundung von Anfang bis Ende teil. "Frieden
schaffen ohne Waffen" war seitdem seine Devise. 1942 hat er
geheiratet.
1946 erhielt Römer die Pfarrstelle Lelm/Räbke am
Elm. In den mit Heimatvertriebenen übervölkerten Dörfern
baute er in den schwierigen Nachkriegsjahren ein lebendiges
Gemeindeleben auf. Öffentliches Auftreten lag ihm nicht.
"Ich habe lieber in der Stille und ohne Aufhebens
gearbeitet." 1961 bewarb er sich, dazu aufgefordert, um die
Pfarrstelle der Wicherngemeinde und wurde aus mehreren
Bewerbern gewählt.
Hier fand er einen theologisch
anspruchsvollen "Gesprächskreis über Glaubensfragen" vor, in
dem er mit Freude mitarbeitete und aus dem er auch
Anregungen für seine Predigten mitnahm. Ihm kam zustatten,
dass er auch in Lelm theologisch "am Ball" geblieben war.
Dabei war er immer mehr weg von einer dogmatisch eng
festgelegten zu einer offenen Theologie gekommen. In seinen
durchweg schriftlich voll ausgearbeiteten Predigten führte
er seine Hörer sorgsam vom verständlich gemachten
Predigttext zu zeitnahen Konsequenzen. Dabei lagen ihm
beispielsweise auch "Brot für die Welt" und "Bewahrung der
Schöpfung" am Herzen. Die Überflussgesellschaft war ihm
zuwider. Besuche bei Gemeindegliedern waren ihm sehr
wichtig. 1970 begann er, in der Telefonseelsorge
mitzuarbeiten. In der Gemeinde geschah in Römers Amtszeit
viel. Er selbst hat es in der Kirchenjubiläumsschrift von
1990 dargestellt, die noch kostenlos erhältlich ist.
Der 1970 auf die neugeschaffene zweite Pfarrstelle aufgezogene
33 Jahre alte Pfarrer Dr. Dockhorn brachte viele neue
Impulse. Nicht selten schoss er über das Ziel hinaus. Dass
es zwischen ihm und Römer nicht zu Auseinandersetzungen kam,
war allein Römers Weitherzigkeit zu verdanken. Aus der
Konfirmandenarbeit zog er sich zurück. 1975 trat Römer aus
gesundheitlichen Gründen knapp 64-jährig in den Ruhestand.
Römers zogen in eine ruhige Etagenwohnung am Petritor, wo
sie sich bald erholten. Er übernahm noch manche Aufgabe,
auch Predigten. Familiär hatten sie manchen Kummer. Die
letzten drei Jahre, in denen er von verschiedenen Gebrechen
geplagt war, verbrachte das Ehepaar im Wohnstift Augustinum.
Er predigte dort noch manchmal in Hausandachten bis zu
seiner Abschiedsandacht im September 1999. In ihr sprach er
aus eigener Erfahrung von Glaubensanfechtungen: "Mit dem
fragenden Suchen fängt der reife Glaube an, Glaube, der
einen auch in schweren Tagen tragen kann ... So spricht der
Herr: Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, will
ich mich von euch finden lassen."
Dies sehe ich als sein
Vermächtnis an. Rudolf Thaer