Das Wichernkreuz - Symbol unserer Gemeinde Mitarbeit   Impressum
evangelisch- lutherische
Wicherngemeinde Braunschweig - Lehndorf / Kanzlerfeld
  Start   Termine   Wichern aktuell   Gebäude   Kinder   Jugend   Gemeinde   Service

   Wichernkirche
      Denkmal

   Wichernhaus
      Mieten

   Stele
      Einweihung

   Gemeindehaus

   Solaranlage

Evangelisch-lutherische Wichernkirche

Baugeschichte - Baubeschreibung - Bauveränderungen - Baubewertung

Begründung des Denkmalwertes der Wichernkirche anläßlich der Aufnahme der Wichernkirche in das Verzeichnis der Kulturdenkmale im März 1999 - Fortsetzung
(Teil 2)

KirchplatzEinziger Hinweis auf die Bedeutung als Kirche ist nach außen als Abschluß der Reihe giebelständiger Wohn-/Geschäftshäuser der Dachreiter am Ostgiebel mit Glocke und Kreuz. Die mit einem Zeltdach abgeschlossene, lediglich auf vier schlanken Ständern ruhende und vollständig in Walzblei eingefaßte Konstruktion verleiht dem Bauwerk eine besondere Eleganz und Note. Die beiden östlichen Ständer treten keineswegs banal aus der Dachfläche hervor, sondern stehen auf einer drei Meter unter dem First aus dem Ostgiebel hervorgemauerleii Konsole. Mit dieser Detaillösung hat der Ostgiebel eine gleichermaßen filigrane wie originelle Gliederung erfahren.
Die bis zuletzt vorgesehene Sonnenuhr unterhalb der Traufe an der Nordwestecke nach Süden wurde vermutlich nicht ausgeführt. Auch der kleine, als Anbau nach Süden vorgesehene Zentralbau als Baptisterium, der schlanke Uhren- und Glockenturm auf quadratischem Grundriß (über der Westchorwand und die figürliche Darstellung auf der Außenwand über dem Hauptportal wurden oder konnten nicht ausgeführt werden.

Innenansicht der KircheDas Innere der Kirche zeichnet sich durch die gleiche Schlichtheit und Materialverwendung aus wie der Außenbau. Bis auf die Altarnische mit dem geschlämmten Mauerwerk der eingezogenen Wandvorlagen wurden die Innenwandflächen des flach gedeckten Saalbaus mit einem groben Spritzbewurf verputzt. Mit Ausnahme der gepaarten Holzständer der Orgelempore ist der Raum stützenlos. Die kassettierte Balkendecke wird zusätzlich durch einen kräftigen, an die Dachkonstruktion angehängten Mittellängsunterzug getragen. Die im Abstand von ca. 50 cm auf die Fugen der Brettschalung der Decke gelegten Leisten suggerieren mit einfachen Mitteln Dielenformate, wie sie im ländlichen Kirchenbau vor 1800 üblich waren. Zwischen der Balkendecke und den Fensterflächen schiebt sich an den Traufseiten ein friesartiges Gesimsband mit einem rot/weiß abgesetzen Wellenmotiv.
Der Mittelgang sowie der Eingangsbereich unter der Empore wurden mit einem roten Ziegelpflaster ausgelegt, während die Bereiche der Bankreihen mit einem ursprünglich vorhandenem Dielenbelag versehen wurden.

Zur baufesten Ausstattung können die Orgelempore, die Altarmensa, die Kanzel, der Taufstein, die kleinteilige Buntverglasung und der zwischenzeitlich leider abgetragene, kegelförmig gemauerte und weiß geputzte Ofen gezählt werden.

Detail der OrgelemporeDie Orgelempore, eine archaisch anmutende Sichtfachwerkkonstruktion mit einer ziegelsichtigen Zierausfachung und stark hervortretenden, profilierten Balkenköpfen schließt den Saal nach Osten ab. Ebenso wie bei der Äußeren Galerie werden die gepaarten Ständer der Stützkonstruktion durch verblattete, zweihüftige Schwalbenschwanzschlösser verklammert, um Verformungen zu vermeiden. Sämtliche Holzoberflächen wurden mit einem Hohleisen gleichmäßig strukturiert, um den Eindruck grob gebeilter und keineswegs glatt gehobelter Oberflächen zu erwecken.

TaufsteinDie Altarmensa, der als runde Stele gebildete Taufstein und die Konsolsteine für die Kerzenhalter an der Chorwand sind aus einem Basalt-Lava-Gestein der Eifel gearbeitet.
Der schon im Mittelgang und in der Ausfachung der Brüstungsfelder der Orgelempore erwähnte, rote Ziegel kehrt wieder in den Stufen zur Altarnische im Westchor und bei der Kanzel an der südlichen Außenwand.

Die Verglasung, die in ihrer zurückhaltenden Farbigkeit in den Rauchtönen Grau, Rosa und Gelb ohne Dekor und figürlicher Ausgestaltung die Schlichtheit einer frühen Ziestersienzer Ordenskirche wiederspiegelt, besteht aus Antikglas. Die zarten Rauchtöne suggerieren eine produktionsbedingte Verunreinigung der Gläser, wie sie noch bis ins 18. Jahrhundert üblich war. Gleichzeitig filtern sie das einfallende Licht, ohne die gleichmäßige Ausleuchtung der einfachen, stereometrischen Raumform zu stören. Dieser Lichtführung entspricht auch die gleichmäßige Verteilung der Leuchter und der Verzicht auf eine indirekte oder Wandbeleuchtung.

KerzenhalterVon der bauzeitlichen Ausstattung müssen die Holzbänke, die Kerzenhalter über der Altarmensa und die 8 vierflammigen, geschmiedeten Kronleuchter mit kerzenartigen Leuchtkörpern genannt werden.
Sämtliche verwendeten Materialen spiegeln in Auswahl, Materialsichtigkeit, Oberflächenbearbeitung und Konstruktionsforrn den Versuch wieder, ein möglichst urtümliches, d.h. in den ländlichen Raum und die Zeit der Kolonisation und Christianisierung zurückreichendes Äßeres zu erzielen. Die besonders archaisch anmutenden Holzverbindungen mit Zapfenschloß bei den Bänken, Verblattungen bei der Abdeckung der Kanzelbrüstung und Verzapfungen mit Holznägeln bei der Orgelempore verleihen dem Ganzen einen altertümlich wirkenden, konstruktiv-handwerklichen Eindruck.

Bild des Kirchraums zur Zeit der Einweihung, 1940. Der Kegelförmige Ofen ist links im Bild zu sehen.Als bauliche Veränderungen seit der Fertigstellung 1940 können festgehalten werden: der neu hinzugekommene Dachreiter mit zwei Glocken über dem Seitentrakt mit Gemeindesaal, die behindertengerechte Erschließung desselben, die bis auf den Saalbau weitgehend erneuerte Befensterung, die Entfernung der achsial angeordneten Orgel, die Erneuerung des Bodenbelags im Bereich der Bänke, die Abtrennnung eines Gemeindebüros vom Gemeindesaal und der Abriß des gemauerten Ofens.

Die Anordnung des genannten Dachreiters als Ersatz für den Westturm erfolgte wohlüberlegt und bedeutet keine Störung der Architektur. Vergleichbares trifft auf die Rampe zu, die für eine sinnvolle Nutzung erforderlich ist und den Platzraum wenig tangiert. (..)



Zum Anfang (Teil 1)       Fortsetzung (Teil 3)



Autor Martin Ahrens        Letzte Änderung 21.04.2007 (manfred matzke)