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Wicherngemeinde Braunschweig - Lehndorf / Kanzlerfeld
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Die Himmelsrichtungen - Stele vor dem Wichernhaus von Rainer Tappeser

Wahrzeichen des Gemeindehauses im Kanzlerfeld, des Wichernhauses, ist die Plastik "Die Himmelsrichtungen" von Rainer Tappeser. Sie wurde am 21.1.1978 aufgestellt und ihr Grundriss in Form eines Kreuzes dient der Wicherngemeinde als Symbol.

Der Künstler Rainer Tappeser greift mit seiner Stele eine Konzeption auf, die er seit 1968 in verschiedenen Arbeiten, meist im Außenbereich, einsetzt: verschiedene Lichtintensitäten und deren Veränderung charakterisieren die Himmelsrichtungen, sie finden in den Grundfarben, einschließlich Grün, ihre Entsprechung. Die Verteilung der Farben gilt dabei für die nördliche Erdhalbkugel:

Stele, NordseiteNorden, lichtschwächste Himmelsrichtung = Blau

Stele, OstseiteOsten, Aufblühen von Licht und Farbe = Rot

Stele, SüdseiteSüden, hellste Himmelsrichtung = Gelb

Westen, Abklingen von Licht und Farbe = Grün

Durch die Form der Stele, die aus vier Winkeln zusammengesetzt ist, erscheint jede Farbe dreimal: Zunächst in der Mitte als reine Farbe; an den Seiten (= die Außenseiten der Nachbarwinkel) als Mischfarbe, die sich dadurch ergibt, dass das Licht, das von den benachbarten Seiten abgestrahlt wird, auf die jeweilige Grundfarbe einwirkt und so - allein durch das Licht - eine Mischfarbe entsteht.
Je nach Intensität des Lichtes erscheinen an den Seiten die Mischfarben mit der Grundfarbe.


Beim Blau sind es Blaugrün und Violett;

beim Rot: Orange und Violett;

beim Gelb: Orange und Hellgrün;

beim Grün: Hellgrün und Blaugrün

So drücken die auch die Mischfarben die Himmelsrichtungen aus: Hellgrün steht z.B. für "Südwest", violett für "Nordost".
Man kann die Stele vor dem Wichernhaus tatsächlich als Kompass benutzen.

Zur Biografie von Rainer Tappeser

  • geb. 1941
  • 1962-69 Malereistudium HdK Berlin; Jazzmusiker, Bühnenmusiken, Bühnenbildner
  • 1968 Meisterschüler von Hermann Bachmann, gemeinsame farbtheoretische Arbeit; Farbbestimmung der Himmelsrichtungen
  • seit 1969 freischaffender bildender Künstler; neben der Malerei Arbeit über farbräumliche Phänomene: Modelle, Simulationen, Dia-Serien, Vorträge; Projekte in Landschaft und Architektur, Skulpturen, Environments
  • 1971-72: Gastprofessur der HdK Berlin
  • seit 1975 Mitglied im Deutschen Künstlerbund
  • 1991-92 Gastprofessur Ecole Supérieure des Beaux-Arts St. Luc, Brüssel
  • seit 1969 zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, öffentliche und private Aufträge, Arbeiten in öffentlichen Sammlungen
  • lebt in Deutschland, Belgien und Frankreich

    Literatur:
    Rainer Tappeser,
    Die Himmelsrichtungen.
    18° Missweisung.
    17.9. – 23.10. 1994, Kunstraum Düsseldorf, Eröffnungsausstellung,
    Düsseldorf 1994

    P.S.:
    Da nach Abschluss der Bauarbeiten nicht mehr genug Mittel zur Verfügung standen, die Stele, wie vom Künstler geplant, in Metall zu erstellen, wurde sie provisorisch aus Resten der Leimholzträger errichtet. Nach 20 Jahren sah die Stele so aus:
    Ein Foto der alten Stele

    Durch die Bemühungen eines ehemaligen Kirchenvorstehers, Herrn Siegfried Arndt, und durch großzügige Spenden aus der Gemeinde konnte die Stele endlich in der ursprünglich vom Künstler beabsichtigten Größe und in Metall errichtet werden. Sie wurde am 17.12.1997 eingeweiht. Die Rede dazu finden sie hier

     

     

Autor Martin Ahrens        Letzte Änderung 21.04.2007 (manfred matzke)